Kesseldruckimprägnierung

Wer im Garten mit Holz baut, kennt den Erzfeind: die Zeit. Wind, Wetter und hungrige Untermieter wie Pilze oder Insekten nagen unermüdlich an jedem Pfosten. Doch es gibt einen „Heavyweight-Champion“, der den Kampf gegen das Weggammeln aufnimmt: die Kesseldruckimprägnierung (KDI). Aber was passiert eigentlich hinter den verschlossenen Stahltüren dieser riesigen Anlagen? Wir werfen einen Blick in den Kessel und erklären, warum dieser „Wellness-Trip“ unter Hochdruck das Geheimnis für Jahrzehnte langes Überleben im Freien ist – und warum ein einfacher Pinselstrich dagegen keine Chance hat.

1. Kesseldruckimprägnierung

Alles klar, schauen wir uns den „Heavyweight-Champion“ unter den Holzschutzverfahren mal ganz genau an: das Kesseldruckverfahren (KDI / KVD). In der Industrie ist das quasi der Goldstandard, wenn man will, dass Nadelholz im Garten nicht nach zwei Jahren weggammelt.

1.1. Das Grundprinzip: Mit Hochdruck in die Tiefe

Einfach nur ein bisschen Farbe draufpinseln? Das reicht im Außenbereich nicht. Das Kesseldruckverfahren geht tiefer – und zwar bis in die Zellen des Holzes. Man nutzt physikalische Kräfte (Vakuum und ordentlich Druck), um das Schutzmittel nicht nur auf die Oberfläche zu schmieren, sondern es regelrecht in das Holz hineinzupressen.

1.2. Die „Hausaufgaben“: Voraussetzungen für den Tränk-Erfolg

Man kann nicht einfach jeden nassen Baumstamm in den Kessel werfen.

  • Tränkreife: Das ist das A und O. Das Holz muss „tränkreif“ sein, was bedeutet, dass die Holzfeuchte unter 30 % liegen sollte. Warum? Weil bei dieser Feuchtigkeit (dem Fasersättigungspunkt) die Hohlräume in den Holzzellen frei sind und wie ein trockener Schwamm darauf warten, das Schutzmittel aufzusaugen.
  • Das richtige Holz: Nicht jeder Baum ist gleich kooperativ. Die Kiefer ist hier die Musterschülerin: Ihr Splintholz lässt sich fast komplett durchtränken. Die Fichte hingegen ist eine echte Rebellin. Ihre Mikrostruktur (der sogenannte Tüpfelverschluss) macht sie „sehr schwer tränkbar“. Ohne fiese Tricks wie die Perforation (das Einstechen kleiner Löcher mit Nadeln oder Lasern) kommt das Mittel dort oft nur wenige Millimeter weit.

1.3. Der Ablauf: Ein echtes „Druck-Erlebnis“

Stellen Sie sich das Ganze wie einen vierstufigen Wellness-Trip für das Holz vor, der in einem riesigen, runden Stahltank stattfindet:

  1. Das Vorvakuum (Die Lunge wird leer): Zuerst wird die Luft aus dem Kessel und – viel wichtiger – aus den Holzzellen gesaugt. Das dauert meist so 30 bis 40 Minuten. Das Holz wird quasi „leergesaugt“, ähnlich wie ein Schwamm, den man ganz fest zusammendrückt.
  2. Das Fluten (Der große Schluck): Während das Vakuum noch zieht, wird der Kessel mit der Imprägnierlösung geflutet. Da die Luft aus den Zellen schon raus ist, steht dem Schutzmittel nichts mehr im Weg.
  3. Die Druckphase (Das Hineinpressen): Jetzt geben die Pumpen Vollgas. Mit 8 bis 12 bar wird die Lösung tief in das Holz gepresst. Bei der sogenannten Vollzelltränkung bleibt dieser Druck so lange bestehen, bis das Holz absolut nichts mehr „trinken“ will.
  4. Das Nachvakuum (Das Saubermachen): Am Ende wird nochmal ein kurzes Vakuum gezogen. Das zieht überschüssiges Mittel aus den obersten Schichten, damit das Holz beim Rausfahren aus der Anlage nicht alles vollkleckert („tropffrei“).

1.4. Die Varianten: Für jeden Fall das passende Programm

Weil Holz eben individuell ist, gibt es Spezial-Modi:

  • Wechseldruckverfahren: Das ist das Programm für die „Harten Fälle“. Es wurde extra für saftfrisches Holz (über 80 % Feuchte) entwickelt, wie z. B. frisch geschlagene Fichtenpfähle. Hier gibt es kein Vorvakuum, sondern man wechselt über mindestens 10 Stunden schlagartig zwischen Druck und Vakuum hin und her – über 160 Mal! Das pumpt die natürliche Flüssigkeit raus und das Schutzmittel rein.
  • Doppel-Vakuum-Verfahren: Das ist die „Gentle-Version“. Man arbeitet mit wenig oder gar keinem Überdruck. Das ist super für maßhaltige Bauteile wie Fenster oder Türen, die sich auf keinen Fall verziehen dürfen.
  • Spartränkverfahren (Rüping/Lowry): Hier ist der Name Programm. Man will das Holz nicht komplett mit Chemie fluten, sondern nur die Zellwände mit einem Schutzfilm überziehen. Das spart Material und Gewicht.

Am Ende kommt das typisch „grüne“ Holz raus, was übrigens an den Kupfer-Salzen liegt, die im Holz auskristallisieren. Das Zeug ist danach so widerstandsfähig, dass es je nach Menge sogar den Kontakt mit Meerwasser (Gebrauchsklasse 5) überlebt.

2. Der Vergleich der Imprägnierverfahren

Wenn das Kesseldruckverfahren (KDI) der Heavyweight-Champion ist, dann sind die drucklosen Verfahren die wendigen Leichtgewichte. Aber Vorsicht: Nicht jede Methode ist für jeden Job geeignet. Hier ist der detaillierte Vergleich, warum man manchmal drücken muss und wann ein entspanntes Bad ausreicht.

2.1. Die „Drucklosen“: Wenn’s entspannt zugehen darf

Die drucklosen Verfahren (Nichtdruckverfahren) verlassen sich nicht auf Pumpenpower, sondern auf die Schwerkraft und die natürliche Saugfähigkeit des Holzes.

  • Streichen und Spritzen (Der Oberflächen-Quickie): Das ist das, was jeder Heimwerker kennt. Man pinselt das Mittel auf oder sprüht es in stationären Anlagen auf.
    • Tiefe: Hier ist nach 1 bis 2 mm Schluss. Man spricht von reinem Oberflächenschutz (NP 1).
    • Vorteil: Super flexibel, braucht keine teure Anlage und geht schnell.
    • Nachteil: Für Holz mit Erdkontakt (Gebrauchsklasse 4) völlig unzureichend, weil das Mittel nur „auf der Haut“ sitzt.
  • Tauchen (Das Kurzbad): Das Holz wird für Minuten bis wenige Stunden komplett untergetaucht.
    • Ablauf: Sobald das Holz baden geht, gibt es die „Spontanaufnahme“. Das Holz saugt sich an der Oberfläche sofort voll – sägeraues Holz schluckt dabei mit ca. 200 g/m² deutlich mehr als gehobeltes (ca. 85 g/m²).
    • Einsatz: Beliebt für Schalungen, Fenster oder Türen.
  • Trogtränkung (Der Langstreckenschwimmer): Hier bleibt das Holz mindestens 24 Stunden (oft Tage) im Becken.
    • Der Trick: Nach der ersten Saug-Phase (Spontanaufnahme) setzt die Diffusionsaufnahme ein. Das Mittel wandert langsam tiefer in die Zellen.
    • Limit: Auch wenn es tief geht, erreicht man meist nur einen guten Randschutz für die Gebrauchsklassen 1 bis 3.1.

2.2. Die „Spezialisten“: Wenn Druck allein nicht reicht

Es gibt Situationen, da ist das normale Kesseldruckverfahren zu grob oder das Holz zu nass.

  • Doppel-Vakuum-Verfahren (Das „Schonprogramm“): Wird oft als Niederdruckverfahren bezeichnet.
    • Wie es läuft: Erst ein schwaches Vorvakuum, dann fluten und auf Normaldruck entspannen.
    • Warum? Die Lösungsaufnahme ist viel geringer als beim Kesseldruck. Das Holz bleibt nach der Behandlung fast „trocken“. Perfekt für maßhaltige Bauteile wie Fenster, die sich nicht verziehen dürfen.
  • Wechseldruckverfahren (Die „Pumpe“ für nasses Holz): Normalerweise muss Holz trocken sein (< 30 % Feuchte), um es zu imprägnieren. Aber was, wenn der Stamm saftfrisch ist (> 80 %)?
    • Die Action: Man verzichtet aufs Vorvakuum und wechselt schlagartig zwischen Hochdruck und Vakuum – und das über 10 Stunden und mindestens 160 Zyklen. Es ist wie ein Herzschlag, der den Saft rausdrückt und die Chemie reinsaugt.

2.3. Der große Vergleich: KDI vs. Nichtdruck

MerkmalKesseldruckimprägnierung (KDI)Drucklose Verfahren (Tauch/Streich)
DruckHoher Druck (8–12 bar)Umgebungsdruck / Normaldruck
EindringtiefeBis zum Kern möglich (NP 3 bis NP 6)Meist nur Randschutz (NP 1 bis NP 2)
HaltbarkeitÜberlebt Erdkontakt (GK 4) & Meerwasser (GK 5)Nur für GK 1–3 (unter Dach oder ohne Erdkontakt)
WirtschaftlichkeitIdeal für riesige Mengen im WerkSuper für Kleinstmengen oder auf der Baustelle
OptikOft typisch „grün“ durch Kupfer-FixierungBleibt meist naturfarben (außer bei Farbbeigabe)
EntsorgungMuss als Sondermüll (Altholzkategorie IV) entsorgt werdenHängt vom Mittel ab, oft unkomplizierter

2.4. Der Geheimtipp: Die Perforation

Wenn man widerspenstiges Holz wie Fichte hat, das eigentlich „sehr schwer tränkbar“ ist, hilft selbst der höchste Druck kaum weiter. Hier nutzt man die mechanische Vorbehandlung: Walzen mit messerscharfen Zähnen stechen kleine Schlitze ins Holz. Erst dadurch kann das Schutzmittel im Kessel tief genug eindringen, um die harten Norm-Vorgaben für tragende Bauteile in der Außenbewitterung zu erfüllen.

3. Die Grundlagen und Strategien im Holzschutz

Hier klären wir, warum wir den ganzen Aufwand überhaupt treiben und warum die Chemie eigentlich nur die „Backup-Lösung“ sein sollte.

3.1. Das Ziel: Den „Untermietern“ den Appetit verderben

Holzschutz ist kein Selbstzweck, sondern eine Überlebensstrategie für das Bauteil. Das Ziel ist es, das Holz dauerhaft vor Organismen zu schützen, die es entweder auffressen oder verfärben wollen.

  • Die Übeltäter: Wir reden hier von hungrigen Insekten, holzzerstörenden Pilzen und – besonders fies im Erdkontakt – der Moderfäule.
  • Der Feuchtekiller: Pilze brauchen Feuchtigkeit zum Überleben. Ab einer Holzfeuchte von über 20 % wird es kritisch, da sich hier die Schädlinge erst so richtig wohlfühlen.

3.2. Die goldene Regel: Bauen geht vor Chemie!

Das ist das wichtigste Credo für jeden Planer und Bauherren: Der bauliche (konstruktive) Holzschutz hat immer Vorrang.

  • Die Strategie: Man versucht durch schlaue Konstruktionen zu verhindern, dass das Holz überhaupt nass wird oder dass Wasser lange darauf stehen bleibt.
  • Beispiele: Dazu gehören Dinge wie ein ordentlicher Wetterschutz, eine gute Hinterlüftung von Fassaden oder der Schutz vor Spritzwasser.
  • Das letzte Mittel: Chemische Holzschutzmittel sollen erst dann zum Einsatz kommen, wenn bauliche Maßnahmen allein nicht ausreichen, um einen Befall sicher zu verhindern.

3.3. Holzarten: Von „pflegeleicht“ bis „stur“

Nicht jeder Baum lässt sich gleich gut schützen, was in der Norm EN 350-2 feinsäuberlich sortiert ist. Hier wird zwischen der natürlichen Dauerhaftigkeit und der Tränkbarkeit unterschieden.

  • Klasse 1 (Die Musterschüler): Das Splintholz der Kiefer oder die Buche sind „gut tränkbar“ und saugen das Schutzmittel förmlich auf.
  • Klasse 3-4 (Die Verweigerer): Douglasie, Lärche und vor allem die Fichte sind „schwer“ bis „sehr schwer tränkbar“.
  • Die Kern-Problematik: Wichtig zu wissen ist, dass der Kern eines Stammes fast immer der „Türsteher“ ist – er lässt das Imprägniermittel grundsätzlich kaum bis gar nicht rein.

3.4. Der „Hacker-Trick“: Die mechanische Perforation

Was macht man jetzt mit einem Hartholz-Kandidaten wie der Fichte, wenn man trotzdem einen tiefen Schutz braucht? Man hilft mechanisch nach.

  • Das Verfahren: Bevor das Holz in den Kessel wandert, wird die Oberfläche mit Nadeln oder Lasern „perforiert“, also mit winzigen Löchern versehen.
  • Der Effekt: Durch diese künstlichen Kanäle kann das Schutzmittel im Kessel viel tiefer eindringen, als es das Holz von Natur aus erlauben würde. Nur so lassen sich bei schwer tränkbaren Hölzern die harten Anforderungen für tragende Bauteile (wie 6 mm Eindringtiefe bei NP 3) überhaupt erfüllen.

3.5 Die Wirkungsweise: Den Tisch für Pilze und Insekten „vergiften“

Holz ist für viele Organismen in der Natur eigentlich nur eines: ein riesiges Buffet aus Zellulose und Lignin. Die Imprägniersalze sorgen dafür, dass dieses Buffet ungenießbar wird.

  • Biozider Effekt (Der direkte Angriff): Die Salze enthalten Wirkstoffe, die für holzzerstörende Organismen schädlich sind. Bei Insekten unterbrechen sie beispielsweise den Entwicklungszyklus der Larven, sodass diese das Holz nicht weiter zerfressen können.
  • Pilz-Stopp: Pilze brauchen bestimmte Bedingungen, um Holz zu zersetzen. Die Salze ziehen in die Zellwände ein und verhindern, dass die Pilze das Holz chemisch knacken und verdauen können. Besonders wichtig sind hier Kupfersalze, die extrem effektiv gegen die fiese Moderfäule im Erdkontakt wirken.

Die Chemie dahinter: Wer macht was?

Früher war vieles einfacher (aber giftiger), da nutzte man Chrom, Kupfer und Arsen. Heute ist die Chemie „sauberer“, aber komplexer:

  • Kupferpräparate: Der Allrounder. Kupfer ist der Grund, warum das Holz grün wird, wenn es mit Luft in Kontakt kommt. Es ist der Hauptakteur für die Langlebigkeit im Außenbereich.
  • Borsalze: Ein Klassiker, der tief eindringt, aber eine Schwäche hat: Bor ist wasserlöslich und kann ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen mit der Zeit ausgewaschen werden.
  • Quats (Quartäre Ammoniumverbindungen): Diese modernen Wirkstoffe unterstützen das Kupfer und sorgen dafür, dass auch kupferresistente Pilze keine Chance haben.

Das Geheimnis der „Fixierung“ (Der chemische Anker)

Damit der Schutz nicht beim ersten Regen wieder im Rasen landet, müssen die Salze fixieren. Das ist ein chemischer Prozess, bei dem die Wirkstoffe eine feste Bindung mit den Holzfasern eingehen.

  • Der Anker-Effekt: Einmal im Holz eingezogen und getrocknet (fixiert), werden die Salze „unlöslich“. Sie sind nun fest im Holz verankert und lassen sich kaum noch auswaschen.
  • Geduld ist eine Tugend: Dieser Prozess dauert nach dem Kesselgang etwa 48 Stunden. Erst danach ist das Holz wirklich einsatzbereit für den Garten.

4. normativen Grundlagen und die Qualitätssicherung

Jetzt wird es zwar etwas „paragrafenlastig“, aber keine Sorge – wir schauen uns die normativen Grundlagen und die Qualitätssicherung (Punkt IV) so an, dass man nicht direkt dabei einschläft. Ohne Regeln wäre Holzschutz im Außenbereich nämlich wie Wildwest: Jeder macht, was er will, und am Ende fault die Terrasse trotzdem weg.

4.1. Die DIN 68800: Die „Bibel“ des Holzschutzes

Wenn es um Holzschutz in Deutschland geht, führt kein Weg an der DIN 68800 vorbei. Sie ist in vier Teile gegliedert, wobei für uns vor allem Teil 3 (Vorbeugender chemischer Holzschutz) entscheidend ist. Hier steht schwarz auf weiß, welches Holz wie viel Chemie braucht, um in einer bestimmten Umgebung zu überleben. Seit 2020 gibt es hier eine Neufassung, die vor allem das Biozidrecht und den Schutz für nicht tragende Bauteile (wie Gartenholz) verschärft hat.

4.2. Die Gebrauchsklassen (GK): Wo kommt das Holz hin?

Früher hießen sie „Gefährdungsklassen“, heute nennen wir sie Gebrauchsklassen. Sie sagen uns, wie nass und gefährdet das Holz an seinem Einsatzort wirklich ist:

  • GK 1 & 0: Hier ist es trocken. Das Holz ist unter Dach und kriegt höchstens mal Besuch von ein paar Insekten (GK 1).
  • GK 2: Es ist gelegentlich feucht, aber immer noch unter Dach (z. B. durch Kondenswasser).
  • GK 3 (Der Klassiker im Garten): Das Holz ist bewittert, hat aber keinen Erdkontakt. Hier unterscheidet man noch zwischen 3.1 (trocknet schnell ab) und 3.2 (bleibt länger nass).
  • GK 4: Jetzt wird’s ernst. Das Holz hat ständigen Erd- oder Süßwasserkontakt. Hier droht die fiese Moderfäule.
  • GK 5: Die Endstufe – ständiger Kontakt mit Meerwasser. Hier kommen Bohrmuscheln und anderes Getier ins Spiel.

Wichtig: In GK 4 und 5 sind laut Norm ausschließlich Druckverfahren zulässig, weil nur so die nötige Tiefe erreicht wird.

4.3. Die Penetrationsklassen (NP): Wie tief muss es rein?

Es bringt nichts, wenn das Mittel nur an der Oberfläche „hallo“ sagt. Die Eindringtiefeklassen (NP 1 bis NP 6) definieren das Schutzziel:

  • NP 1: Keine spezielle Anforderung an die Tiefe, aber in den äußeren 3 mm muss genug Wirkstoff sein.
  • NP 3: Das Schutzmittel muss mindestens 6 mm tief ins Splintholz eindringen. Bei Fichte, wo man Splint und Kern kaum unterscheiden kann, gilt das für das gesamte Holz.
  • NP 5: Hier muss das komplette Splintholz durchtränkt sein. Das ist für Kiefer in GK 4 (Erdkontakt) absolute Pflicht.
  • NP 6: Die „Vollkasko“ – das gesamte Splintholz plus mindestens 6 mm im freiliegenden Kernholz müssen geschützt sein.

4.4. Qualitätssicherung: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Damit man als Kunde nicht die Katze im Sack kauft, gibt es ein strenges Kontrollsystem:

  • Werkseigene Produktionskontrolle (WPK): Jeder Betrieb muss dokumentieren, was er macht. Das bedeutet: Holzfeuchte messen, Konzentration der Tränklösung prüfen und die Einbringmenge (meist durch Wiegen der Charge vor und nach dem Kessel) kontrollieren.
  • Die „Dachkarte“: Bei tragenden Hölzern im Bauwerk muss der Verarbeiter ein Schild hinterlassen, auf dem steht, welches Mittel verwendet wurde, welcher Betrieb das gemacht hat und für welche Gebrauchsklasse das Ganze gedacht ist.
  • Gütezeichen: Wer auf Nummer sicher gehen will, achtet auf das RAL-Gütezeichen 411 (für KDI) oder das CE-Kennzeichen bei tragenden Bauteilen.
  • Frühere Kürzel: Die alten Bezeichnungen wie Iv (Insekten), P (Pilze), W (Witterung) und E (Extrembelastung) werden in der neuesten Norm durch die direkten Zielorganismen und die Gebrauchsklasse ersetzt, sind aber auf vielen alten Zulassungen noch zu finden.

Kurz gesagt: Die Norm sorgt dafür, dass Ihr Zaunpfahl nicht nur oberflächlich grün ist, sondern auch im Inneren die „Muskeln“ hat, um 10-20 Jahre im Boden zu überstehen.

5. Verarbeitung, Gesundheit und Entsorgung

Hier ist der Abschluss unserer Deep-Dive-Serie: Verarbeitung, Gesundheit und Entsorgung. Jetzt klären wir, was passiert, wenn das „grüne Wunder“ auf die Baustelle kommt, wie man damit sicher umgeht und warum man es am Ende seines Lebens auf keinen Fall einfach im Garten verfeuern sollte.

5.1. Verarbeitung: Wer sägt, muss auch schmieren (Das Schutzmantel-Prinzip)

Man darf sich kesseldruckimprägniertes Holz nicht wie einen durchgefärbten Legostein vorstellen. Oft ist es eher wie ein hartgekochtes Ei: Außen ist der Schutzmantel, innen ist das Holz zwar geschützt, aber nicht immer vollständig durchtränkt (vor allem bei Fichte).

  • Die Todsünde: Wenn Sie einen imprägnierten Balken kappen, bohren oder schlitzen, legen Sie das „nackte“ Innere frei. Das ist eine offene Einladung für Pilze und Insekten.
  • Die Rettung: Jede Bearbeitungsstelle muss zwingend nachbehandelt werden. Dafür gibt es spezielle Holzschutzmittel, die den Schutzmantel wieder schließen. In den Begleitpapieren des Holzes muss sogar extra darauf hingewiesen werden, ob und wie bei Trockenrissen nachgearbeitet werden muss.

5.2. Typische KDI-Merkmale: Schönheitsfehler oder Qualitätszeichen?

KDI-Holz hat einen ganz eigenen Look, und oft denken Kunden, sie hätten Mangelware erwischt. Meistens ist aber genau das Gegenteil der Fall:

  • Die Grünfärbung: Nein, das ist kein Schimmel und auch keine Moosbildung. Die Farbe kommt von den Kupfersalzen im Schutzmittel, die im Holz auskristallisieren.
  • Salzausblühungen: Manchmal sieht man weiß-grünliche Flecken auf der Oberfläche. Das ist oft eine Reaktion des Holzharzes mit den Imprägniersalzen. Es ist völlig harmlos und eher ein Zeichen dafür, dass das Mittel ordentlich eingezogen ist.
  • Trockenrisse: Holz ist ein Naturprodukt und „arbeitet“ – es quilt und schwindet. Trockenrisse sind laut Norm (z. B. DIN 4074) im Außenbereich völlig zulässig und beeinträchtigen in der Regel weder die Statik noch die Haltbarkeit.

5.3. Gesundheit und Umwelt: Sicher, wenn’s sitzt

Die moderne Chemie im Holzschutz ist streng reguliert. Mittel brauchen eine Zulassung nach Biozidrecht oder vom DIBt, die genau prüft, ob Mensch und Umwelt geschädigt werden.

  • Die Fixierung: Das Zauberwort heißt „Fixierung“. Dabei gehen die Wirkstoffe eine chemische Bindung mit den Holzfasern ein. Sobald das Holz trocken und fixiert ist, waschen sich die Salze kaum noch aus, und das Holz ist bei sachgemäßem Gebrauch für Mensch und Tier unbedenklich.
  • Arbeitsschutz: Beim Sägen oder Schleifen sollten Sie trotzdem Handschuhe und eine Staubmaske tragen. Das steht in jedem guten Sicherheitsdatenblatt und jeder Betriebsanweisung für Holzschutzmittel.
  • Spezialfall Kinderspielzeug: Für Klettergerüste im Garten gelten besonders strenge Regeln (DIN EN 71-3), die sicherstellen, dass die Kleinen beim Spielen nicht mit schädlichen Mengen an Wirkstoffen in Kontakt kommen.

5.4. Entsorgung: Das bittere Ende im Kamin? Bloß nicht!

Irgendwann hat auch der beste Zaunpfahl ausgedient. Aber Achtung: KDI-Holz ist kein normaler Gartenabfall.

  • Altholzkategorie IV: In Deutschland wird imprägniertes Holz als gefährlicher Abfall (Sondermüll) eingestuft.
  • Verbrennungsverbot: Verbrennen Sie KDI-Holz niemals im privaten Kamin, im Garten oder beim Grillen! Durch die enthaltenen Metalle und Wirkstoffe können beim Verbrennen hochgiftige Gase und Aschen entstehen.
  • Der richtige Weg: Das Holz gehört auf den Wertstoffhof oder zu einem zertifizierten Fachbetrieb, wo es in speziellen Anlagen mit Rauchgasreinigung thermisch verwertet wird.

Damit haben wir den Bogen gespannt – von der Luftpumpe im Kessel bis zur fachgerechten Entsorgung. Jetzt sind Sie fit in Sachen Kesseldruckimprägnierung!