Amateurfunk – DL6LG

Fünf Watt. Ein Draht im Garten. Und irgendwo am anderen Ende der Welt taucht mein Rufzeichen auf einem fremden Bildschirm auf.
Ich kann inzwischen erklären, wie das funktioniert – die Prüfung wollte das schließlich wissen. Begriffen habe ich es deshalb noch lange nicht. Und genau deswegen bin ich hier: DL6LG, Funkamateur aus dem Vogtland, Locator JO60dm.
Ganz neu ist die Sache übrigens nicht. Der Funkvirus hatte mich schon Jahrzehnte vorher erwischt – er hat sich nur sehr, sehr viel Zeit mit dem Ausbruch gelassen. Angefangen habe ich mit Mitte 50; das familiäre Gutachten dazu lautete kurz und zutreffend: „Jetzt funkt er völlig.“
Von CB über Freifunk zum Amateurfunk
In den 90ern war ich auf den CB-Kanälen unterwegs. Damals galt es als sportlicher Erfolg, quer durchs Dorf ein „Hallo“ zu senden – und als Triumph, wenn jemand antwortete, der nicht im selben Haus wohnte.
Dann kam das WLAN, und ich landete bei Freifunk, weil das ja „auch Funk ist, nur ohne Mikrofon“. Danach LoRaWAN: dieses wunderbar entschleunigte Netzwerk, das winzige Datenpäckchen im Schneckentempo kilometerweit schickt, und das mit einer Leistung, für die sich jede Nachttischlampe schämen würde. Spätestens da war klar: Mich interessiert weniger das Gerät als die Frage, was da eigentlich in der Luft los ist.
Ich dachte übrigens jahrelang, man müsse zwingend morsen können, um Funkamateur zu werden. Danke an alle, die mich sanft aufgeklärt haben – und zwar rechtzeitig, bevor ich mir ein Tastenset bestellte.
2024: Die Klasse N als Zündfunke
Ernst wurde es 2024, als die neue Einstiegsklasse N angekündigt wurde. Der niedrigschwellige Einstieg hat mich neugierig gemacht – und irgendwo tief drin saß immer noch der kleine Funker von früher und nickte heftig.
Aus „mal reinschnuppern“ wurde dann, wie so oft bei mir, ein Vollprogramm: ein paar Wochen lernen, fluchen, ohmsche Gesetze sortieren, Bandgrenzen auswendig lernen – und im September die Prüfung der Klasse E bei der Bundesnetzagentur bestanden. Erstes Rufzeichen: DA6AD.
Klasse A – weil Sturheit auch eine Form von Ehrgeiz ist
Ein Jahr später hat mich der Ehrgeiz eingeholt: „Wenn schon, denn schon.“ Also wieder gelernt, wieder geflucht, wieder Formeln jongliert – und die Klasse A bestanden. Seitdem darf ich auf allen Amateurfunkbändern offiziell Chaos verbreiten, unter dem Rufzeichen DL6LG.
QRP und Digimodes – leise, aber hartnäckig
Mein Schwerpunkt liegt bei den Digimodes: FT8, FT4, gelegentlich RTTY. Funk per Computer – das moderne Telegramm, in Bits und Bytes zerlegt.
QRP bin ich weniger aus Überzeugung als aus Umständen: 5 bis 10 Watt. Manche nennen das bescheiden, ich nenne es sportlich. Der Reiz liegt genau darin – wenn ein 20-Watt-Signal in Neuseeland dekodiert wird, ist das Physik. Wenn es 5 Watt sind, fühlt es sich wie ein kleines Wunder an. (Es ist immer noch Physik. Aber lasst mir die Freude.)
Besonders gern bin ich auf den WARC-Bändern 30m, 17m und 12m unterwegs: weniger digitales Gedränge, mehr Chancen für kleine Signale. 160m bleibt außen vor – mein Tuner weigert sich standhaft, und ich respektiere seine Entscheidung.
Die Station
| Rufzeichen | DL6LG (vorher DA6AD) |
| Locator | JO60dm · CQ 14 · ITU 28 |
| Bänder | 80m bis 6m, inkl. WARC |
| Betriebsarten | FT8, FT4, RTTY, seltener SSB/FM – CW in Arbeit |
| Transceiver | ICOM IC-705, Xiegu X6100 |
| Antennen | Magnetic Loop MLA MC-20, diverse Selbstbauten fraglicher Qualität |
| Software | alles, was der Linux-Paketmanager für den Amateurfunk hergibt (WSJT-X, GridTracker & Co. auf Linux Mint) |
| QSL | Bureau, eQSL, LoTW, Direct – ich bestätige alles, notfalls auch Kontakte, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob ich dabei war |
| DARC | OV S51, DOK S51 – mehr oder weniger regelmäßig anzutreffen |
Mein Funker-Zuhause: OV Oelsnitz/Vogtland (S51)
Funken kann man allein. Muss man aber nicht – und man sollte es auch nicht zu lange versuchen. Denn irgendwann steht man vor einer Antenne, die rechnerisch perfekt ist und praktisch nichts tut, und dann hilft kein Forum der Welt so gut wie jemand, der schon dreimal denselben Fehler gemacht hat.
Mein Funker-Zuhause habe ich im Ortsverband Oelsnitz/Vogtland, DOK S51 gefunden. Ein DARC-Ortsverband ist im besten Fall genau das: kein Verein im Aktenordner-Sinne, sondern eine Handvoll Leute, die dieselbe Neugier teilen, Erfahrung großzügig verschenken und einen Neuling nicht auslachen, wenn er das SWR-Meter falsch herum angeschlossen hat. (Rein hypothetisch, versteht sich.)
Für mich war der OV der Punkt, an dem aus einem Hobby mit Gerät ein Hobby mit Menschen wurde. Und ganz nebenbei: Wer sich fragt, ob Amateurfunk was für ihn wäre – der Weg dorthin führt fast immer über einen Ortsverband, nicht über einen Onlineshop.
Baustelle CW
Und ja, CW steht auf der Liste. Die Finger sind willig, das Gehirn verhandelt noch. Ob mein Kopf die Punkte und Striche in dieser Inkarnation noch sortiert bekommt, wird sich zeigen – aber die Taste liegt bereit, und Sturheit hat bei mir bisher jede Prüfung gewonnen.
Wenn du mich auf den Bändern hörst: Sei gnädig, ich lerne noch. Mein Signal ist schwach, die Begeisterung umso größer.