Funkwetter – Teil 7/7
Im letzten Modul haben wir die Persönlichkeiten der einzelnen Amateurbänder kennengelernt und uns mit den digitalen Monitoring-Tools und Prognose-Werkzeugen vertraut gemacht. Jetzt, im abschließenden siebten Teil, führen wir alles zusammen: Willkommen im letzten und praktischsten Modul dieses Kurses. Alles, was wir in den vergangenen sechs Modulen gelernt haben – Ionosphärenschichten, Solarindizes, Magnetstürme, Ionogramme, Ausbreitungsmodelle und Monitoring-Tools – war im Grunde nur die Vorbereitung auf diesen Moment: den Moment, in dem du dich vor dein Funkgerät setzt und innerhalb von wenigen Minuten weißt, ob du heute DX nach Japan machen kannst, ob du lieber auf 40m die europäischen Nachbarn bearbeitest, oder ob du den Abend besser damit verbringst, die Koaxialdosen an der Antenne zu prüfen, die du ohnehin schon seit Monaten vor dir herschiebst. Dieser Moment der Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist übrigens auch ein Erkenntnisgewinn.

- Modul 1: Die Architektur der Atmosphäre und Ionisation
- Modul 2: Die Sonne – Das Kraftwerk des Weltraumwetters
- Modul 3: Magnetosphärische Dynamik und Störungen
- Modul 4: Die Ionosonde – Messtechnik und Ionogramm-Analyse
- Modul 5: Fortgeschrittene Ausbreitungsmodelle und HF-Zonen
- Modul 6: Praxisanwendung – Bandcharakteristik und Tools
- Modul 7: Der eigene Funkwetterbericht – Von Rohdaten zur Betriebsentscheidung
Modul 7: Der eigene Funkwetterbericht – Von Rohdaten zur Betriebsentscheidung
Willkommen im letzten und praktischsten Modul dieses Kurses. Alles, was wir in den vergangenen sechs Modulen gelernt haben – Ionosphärenschichten, Solarindizes, Magnetstürme, Ionogramme, Ausbreitungsmodelle und Monitoring-Tools – war im Grunde nur die Vorbereitung auf diesen Moment: den Moment, in dem du dich vor dein Funkgerät setzt und innerhalb von wenigen Minuten weißt, ob du heute DX nach Japan machen kannst, ob du lieber auf 40m die europäischen Nachbarn bearbeitest, oder ob du den Abend besser damit verbringst, die Koaxialdosen an der Antenne zu prüfen, die du ohnehin schon seit Monaten vor dir herschiebst. Dieser Moment der Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist übrigens auch ein Erkenntnisgewinn.
Ein eigener Funkwetterbericht ist keine Raketenwissenschaft und kein akademisches Ritual. Es ist ein persönliches, strukturiertes Notizblatt, das dir in fünf bis zehn Minuten ein klares Bild der aktuellen Situation liefert – und das du, wenn du es einmal verinnerlicht hast, fast im Schlaf ausfüllen kannst. Das Ziel ist nicht, jeden Parameter bis auf drei Nachkommastellen auszuwerten. Das Ziel ist, aus dem Datenwust da draußen eine handlungsfähige Entscheidung zu destillieren: Welches Band, welche Richtung, welche Betriebsart, und – ganz wichtig – welche Erwartung soll ich haben?
7.1 Die Philosophie des eigenen Berichts
Bevor wir uns in den konkreten Workflow stürzen, lohnt es sich, eine Minute darüber nachzudenken, warum du überhaupt einen eigenen Bericht erstellen solltest, wenn doch das Internet voll ist mit fertigen Funkwetter-Seiten, Bannern und Apps. Weil das Internet deinen Dipol nicht kennt. Und deinen Standort auch nicht.

7.1.1 Der Unterschied zwischen konsumieren und verstehen
Es gibt einen fundamentalen Unterschied, ob du auf einer Webseite liest „Conditions: Good“ und dann einfach das Funkgerät einschaltest, oder ob du selbst die Rohdaten betrachtest, verarbeitest und zu einem Urteil kommst. Der erste Weg funktioniert meistens – aber er macht dich von den Bewertungsmaßstäben anderer abhängig. „Good“ für einen Kilowatt-Betreiber mit einer 4-Elemente-Yagi ist etwas völlig anderes als „Good“ für einen QRP-Funker mit einem Endfed-Draht im Vogtland. Die meisten fertigen Übersichten wissen nichts über deine Antenne, deine Leistung, deine Zielregion und deine Betriebsart. Dein eigener Bericht schon.
Der zweite, tiefgreifendere Vorteil ist der Lerneffekt: Wer regelmäßig seinen eigenen Bericht erstellt und dann notiert, ob die Realität mit der Einschätzung übereinstimmt, entwickelt über Wochen und Monate ein intuitives Gefühl für das Zusammenspiel der Parameter. Irgendwann braucht man keinen strukturierten Prozess mehr, weil das Muster im Kopf sitzt. Bis dahin ist der Bericht das Laufheft, mit dem man sich dieses Muster erarbeitet.
7.1.2 Was ein Funkwetterbericht nicht ist
Ein Funkwetterbericht ist kein Orakel und keine Garantie. Selbst wenn alle Indizes perfekt sind, kann ein plötzlicher X-Flare alles innerhalb von acht Minuten zunichtemachen. Selbst wenn der K-Index bei 4 liegt, kann eine Station aus Australien mit S9+ reinkommen, weil sie gerade in der Greyline sitzt und du das zufällig triffst. Der Bericht ist eine Wahrscheinlichkeitsaussage, kein Versprechen. Und das ist völlig in Ordnung – schließlich arbeiten Meteorologen, Aktienhändler und Schifffahrtskapitäne auch nicht mit Gewissheiten, sondern mit gut begründeten Wahrscheinlichkeiten. Wir sind in guter Gesellschaft.
7.1.3 Die Struktur eines Berichts: Drei Ebenen
Jeder vernünftige Funkwetterbericht gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Ebenen:
Ebene 1 – Die solaren Rahmenbedingungen: Wie ist die Ausgangslage der Sonne? Das ist das „Klima“ für die nächsten Tage. Ändert sich langsam.
Ebene 2 – Die aktuelle magnetosphärische Lage: Was macht das Erdmagnetfeld gerade? Das ist das „Wetter“ für die nächsten Stunden. Kann sich schneller ändern.
Ebene 3 – Die echte Ausbreitung jetzt: Was passiert tatsächlich auf den Bändern in diesem Moment? Das ist die Bestätigung oder Widerlegung von Ebene 1 und 2 durch reale Beobachtungen.
Nur wer alle drei Ebenen zusammenführt, hat ein vollständiges Bild. Wer nur Ebene 1 betrachtet, weiß, wie die Ionosphäre grundsätzlich beschaffen ist, aber nicht, ob gerade ein Sturm stört. Wer nur Ebene 3 betrachtet, sieht zwar, dass 10m gerade offen ist, aber weiß nicht, ob das noch eine Stunde anhält oder gerade abreißt. Vertrauen ist gut, alle drei Ebenen sind besser.
7.2 Die Datenquellen: Wo ich was nachschaue
Bevor wir den Workflow aufbauen, eine ehrliche Übersicht der Tools, die für einen vollständigen Bericht relevant sind. Ich unterteile sie in Pflicht-Quellen (ohne die geht’s nicht) und Ergänzungs-Quellen (die das Bild schärfen). Spoiler: Beide Listen sind kürzer, als man nach sechs Modulen Theorie befürchten würde.

7.2.1 Pflicht-Quellen: Das absolute Minimum
Diese vier Quellen decken die drei Berichts-Ebenen ab und sind zusammen in unter fünf Minuten konsultiert.
NOAA Space Weather Prediction Center (swpc.noaa.gov)
Das ist die Schaltzentrale. Hier gibt es alles auf einmal: den aktuellen SFI, den Kp-Index (live und als 3-Tage-Graph), den A-Index, die Bz-Komponente, die Sonnenwindgeschwindigkeit und -dichte sowie Warnmeldungen für aktive Flares, CMEs und Strahlungsstürme. Die Seite ist bewusst nüchtern und technisch gestaltet – kein buntes Consumer-Interface, dafür absolut zuverlässige Behördendaten in Echtzeit. Das „Dashboard“ unter swpc.noaa.gov/forecasts bietet eine kompakte Tagesübersicht inkl. Vorhersage für 24/48/72 Stunden.
Ionogramm Juliusruh (Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik, giro.uml.edu/iSWA oder ionosonde.iap-kborn.de)
Die Ionosonde in Juliusruh auf Rügen ist für unsere mitteleuropäische Perspektive die direkteste Messung der tatsächlichen Ionosphäre über unserem Kopf. Das aktuelle Ionogramm zeigt foF2, hmF2, fmin und den C-Level – also den echten Zustand unseres ionosphärischen Spiegels, nicht eine Modellrechnung. Die Bildschirmfrische beträgt etwa 15 Minuten. Wer nicht weiß, wie man ein Ionogramm liest, sollte Modul 4 nochmal konsultieren. Kein Vorwurf – Modul 4 war lang.
PSK Reporter (pskreporter.info)
PSK Reporter ist der schnellste Realitätscheck für die aktuelle Bandausbreitung. Entweder gibst du dein eigenes Rufzeichen ein und schaust, wer dich gerade hört, oder du filterst auf FT8/FT4 und siehst, welche Verbindungen in den letzten 15 Minuten weltweit gemeldet wurden. In zwei Minuten siehst du, ob 15m gerade transatlantisch offen ist, ob 10m innerhalb Europas Sporadic-E hat und ob 20m die ganze Nacht gelaufen ist.
DX-Cluster (dxsummit.fi oder dxwatch.com)
Ergänzt PSK Reporter um manuell gemeldete Beobachtungen von CW-, SSB- und Digimodes-Stationen. Besonders wertvoll für eine schnelle Übersicht: Welches Band zeigt gerade ungewöhnliche Aktivität? Häufen sich 10m-Spots aus DL/PA/G für transatlantische Stationen? Dann ist F2 offen. Kommen plötzlich viele 6m-Spots innerhalb Europas? Sporadic-E ist im Gange.
7.2.2 Ergänzungs-Quellen: Das schärfere Bild
Diese Quellen kommen hinzu, wenn man mehr Details braucht oder einen vollständigeren Bericht erstellen möchte. Für alle, die sagten „das reicht mir nicht“ – hier kommt mehr.
Solarham.net (solarham.net)
Eine der übersichtlichsten Aggregations-Seiten für Weltraumwetter. Kombiniert auf einer einzigen Seite: aktuelle Sonnenbilder (SDO in mehreren Wellenlängen inklusive 304 Å), SFI-Graph der letzten Tage, K-Index-Balken, CME-Meldungen, Flare-Log und X-Ray-Flussmessung. Besonders praktisch: ein gut lesbarer tagesaktueller Kommentar des Betreibers mit Bewertung der Lage. Für einen schnellen Gesamteindruck sehr empfehlenswert.
HamQSL Solar Widget / N0NBH-Banner (hamqsl.com)
Das bekannte Banner, das viele Funkamateure auf ihrer eigenen Webseite einbinden. Zeigt in kompakter Form: SFI, A-Index, K-Index, Sonnenfleckenzahl und eine Textbewertung der Bandöffnungen. Praktisch als One-Glance-Check, aber zu oberflächlich für einen vollständigen Bericht. Gut als erster Orientierungspunkt – und das Ganze, womit diese Reise für viele von uns überhaupt begann.
HamDXMap (f5uii.net)
Wie in Modul 6.3.2 beschrieben: visualisiert foF2 und MUF in Echtzeit auf einem 3D-Globus. Besonders wertvoll für Pfadanalysen – welche MUF liegt an den Reflexionspunkten auf meinem gewünschten Funkweg? Für Modul-7-Zwecke: schneller Check, ob der Pfad nach Japan, Nordamerika oder Ozeanien momentan MUF-technisch tragfähig ist.
Proppy (soundbytes.asia/proppy)
Für eine Vorhersage, wann ein gewünschter Funkpfad öffnet oder schließt. Gibt man Standort, Ziel, Leistung und Antenne ein, berechnet Proppy auf Basis des VOACAP-Modells stunden- und bandgenaue Wahrscheinlichkeiten. Nicht für den Tages-Schnell-Check, aber unverzichtbar für das Planen einer gezielten DX-Pedition oder eines Skeds. In Modul 7 nutzen wir Proppy hauptsächlich für den „Ausblick auf morgen“-Teil des Berichts.
WSPRnet (wsprnet.org)
Das empfindlichste Frühwarnsystem für beginnende Bandöffnungen, wie in Modul 6.2.1 beschrieben. Wenn auf WSPRnet Verbindungen auf einem Band auftauchen, das eigentlich noch geschlossen sein sollte, ist das ein untrügliches Zeichen für eine beginnende Öffnung – oft Minuten vor dem ersten DX-Cluster-Spot.
Ionosonden-Netzwerk GIRO (giro.uml.edu)
Das Global Ionosphere Radio Observatory liefert Ionogramme von Stationen weltweit. Für unsere Zwecke besonders interessant: Stationen entlang geplanter Funkwege – z.B. Dourbes (Belgien), Pruhonice (Tschechien), Chilton (Großbritannien) für europäische Wege, oder Stationen in Island, Grönland und Kanada für transatlantische Verbindungen. Wenn man prüfen will, ob die MUF auf dem gesamten Pfad ausreicht, ist das die sauberste Datenquelle.
NOAA X-Ray Flux Monitor (swpc.noaa.gov/products/goes-x-ray-flux)
Echtzeit-Graph der Röntgenstrahlung der Sonne, gemessen von den GOES-Satelliten. Zeigt sofort, ob gerade ein Flare läuft oder ob die Sonne sich ruhig verhält. Steigt der Graph in den M- oder X-Bereich, ist innerhalb der nächsten acht Minuten ein Blackout auf der Tagseite möglich. Unersetzlich als Echtzeit-Alarm – und die einzige Grafik, bei der ein steiler Anstieg nichts Gutes bedeutet.
SpaceWeatherLive (spaceweatherlive.com)
Sehr gut gestaltete europäische Seite mit Echtzeit-Daten und einer hervorragenden Kp-Vorhersage für die kommenden 24–48 Stunden. Besonders die Kp-Prognose-Grafik ist übersichtlicher dargestellt als auf der NOAA-Seite. Für den „Ausblick“-Teil des Berichts sehr nützlich.
DXHeat (dxheat.com)
Visualisiert DX-Cluster-Spots auf einer Weltkarte und nach Bändern gefiltert. Ein schneller Blick zeigt, wo gerade die meiste Aktivität liegt – ohne Spot für Spot lesen zu müssen. Farben zeigen die Bänder, die Dichte der Punkte zeigt die Aktivität.
7.3 Der Workflow: Schritt für Schritt zum Bericht
Jetzt kommen wir zum Kernstück dieses Moduls. Der folgende Workflow ist in fünf Phasen aufgeteilt, die logisch aufeinander aufbauen. In der Praxis läuft er, wenn man ihn verinnerlicht hat, in acht bis zwölf Minuten ab. Am Anfang – wenn man noch überlegt, was man warum schaut – darf es gerne auch zwanzig Minuten dauern. Das Lernen passiert eben genau hier. Nicht beim Lesen. Beim Machen.

7.3.1 Phase 1: Solare Rahmenbedingungen (Dauer: 2–3 Minuten)
Quelle: NOAA SWPC, solarham.net, N0NBH-Banner
Die erste Frage, die du beantworten willst, ist: Wie ist die Grundverfassung der Sonne heute? Das ist die langsamste Variable im System – sie ändert sich über Tage, nicht über Stunden. Trotzdem entscheidet sie über den Rahmen, innerhalb dessen alles andere stattfindet.
Was ich konkret notiere:
- SFI (Solar Flux Index): Den aktuellen Tageswert ablesen und in eine von drei Kategorien einordnen:
- Unter 80: Bescheidene Bedingungen. Die oberen Bänder (15m, 12m, 10m) werden kaum brauchbar sein. Schwerpunkt liegt auf 20m, 40m und Low-Bands nachts.
- 80–120: Moderate bis gute Bedingungen. 20m und 17m laufen zuverlässig. 15m öffnet tagsüber. 10m und 12m zeigen Lebenszeichen, aber kein verlässlicher DX-Betrieb.
- Über 120: Gute bis sehr gute Bedingungen. 15m und 10m sind für DX ernstzunehmende Optionen. Bei SFI über 150 ist sogar 6m-F2 möglich.
- Tendenz der letzten drei Tage: Steigt der SFI, fällt er, oder ist er stabil? Ein steigender SFI bedeutet, dass die Bedingungen morgen besser sein könnten als heute. Ein fallender SFI ist ein Signal, die hohen Bänder heute noch zu nutzen, solange es geht.
- Sonnenfleckenzahl (SSN): Kurzer Blick – stimmt sie mit dem SFI überein? Eine hohe SSN bei niedrigem SFI ist selten, aber möglich und ein Zeichen für magnetisch aktive Flecken ohne starke UV-Emission. Große Diskrepanzen zwischen SSN und SFI können auf erhöhte Flare-Wahrscheinlichkeit hindeuten.
- 304 Å Flux: Optional, aber für den ambitionierten Berichtsschreiber ein guter Ergänzungswert. Steigt der 304 Å Flux, wird die F2-Schicht „aufgepumpt“ – oft ein paar Stunden früher sichtbar, bevor der SFI nachzieht.
- Aktive Sonnenregionen: Gibt es auf den aktuellen SDO-Bildern (auf solarham.net bequem abrufbar) auffällig große Fleckengruppen, insbesondere mit Delta-Konfiguration? Das sind potenzielle Flare-Produzenten. Keine Panik – aber notieren.
Zwischenfazit Phase 1: Nach zwei Minuten weißt du, ob du heute grundsätzlich auf den hohen Bändern DX machen kannst, oder ob du deine Erwartungen nach unten korrigieren solltest. Lieber früh ehrlich als spät enttäuscht.
7.3.2 Phase 2: Magnetosphärische Lage und Störungsrisiko (Dauer: 2–3 Minuten)
Quelle: NOAA SWPC, SpaceWeatherLive, solarham.net
Die zweite Frage lautet: Ist das Erdmagnetfeld stabil, oder stecken wir gerade in einer Störung? Das ist der Filter, der über alles andere gelegt wird. Ein SFI von 180 nützt dir nichts, wenn der Kp bei 7 steht und die Ionosphäre wie ein aufgebrachter Seesack durchgeschüttelt wird.
Was ich konkret notiere:
- Kp-Index (aktuell): Den aktuellen Wert ablesen und einordnen:
- Kp 0–2: Ruhig. Grünes Licht für alle DX-Vorhaben. Besonders Low-Band-DX profitiert von diesen Bedingungen.
- Kp 3: Leicht unruhig. In der Regel noch brauchbar, aber polare Wege (z.B. Europa → Westküste USA über den Nordpol) können anfangen zu schwächeln.
- Kp 4: Grenzwertig. Signale auf polaren Wegen werden unzuverlässig, MUF kann leicht einbrechen. Beobachten, nicht abschreiben.
- Kp 5+: Störung. DX auf hohen Bändern und polaren Wegen wird schwierig. Für UKW-Funker jetzt die Aurora-Antenne raus.
- A-Index (gestern und heute): Der gestrige A-Index sagt dir, wie der Vortag gelaufen ist. Ein A-Index von über 30 gestern bedeutet, dass die Ionosphäre heute noch „aufgewühlt“ sein kann, selbst wenn der aktuelle Kp wieder ruhig wirkt. Ionosphärische Erholung nach einem Sturm dauert oft 24–48 Stunden.
- Bz-Komponente: Das ist die Zündschnur im System. Liegt Bz positiv (nördlich) oder zumindest nahe null, ist alles ruhig. Rutscht Bz dauerhaft in den negativen Bereich (–5 nT oder tiefer), steigt die Sturmwahrscheinlichkeit. Bz –10 nT oder darunter, kombiniert mit Sonnenwindgeschwindigkeit über 500 km/s: Sturmwarnung, sofort notieren.
- Sonnenwindgeschwindigkeit (Speed): Normalwert 300–400 km/s. Über 500 km/s beginnt es interessant zu werden. Über 600 km/s bei gleichzeitig negativem Bz: ernster Sturm möglich. Den Wert immer zusammen mit Bz bewerten, niemals isoliert.
- Protonenfluss (Ptn Flx): Gibt es aktuell erhöhte Protonenwerte? Ein Strahlungssturm (Protonensturm) nach einem großen Flare kann Polarwege für Stunden bis Tage komplett lahmlegen, auch wenn der Kp-Index sich wieder beruhigt hat.
- Vorschau 24–48 Stunden: SpaceWeatherLive zeigt eine Kp-Vorhersage. Wird ein CME erwartet? Gibt es aktive Warnungen? Hier entscheidet sich, ob der Bericht optimistisch oder vorsichtig ausfällt. Ein für morgen angekündigter CME-Einschlag ändert die heutige Bewertung erheblich, selbst wenn heute alles ruhig ist.
Zwischenfazit Phase 2: Nach weiteren zwei Minuten weißt du, ob das Magnetfeld heute ein Verbündeter oder ein Feind ist. Erst jetzt macht es Sinn, auf die konkreten Bänder zu schauen.
7.3.3 Phase 3: Ionosphärische Ist-Messung (Dauer: 2–3 Minuten)
Quelle: Ionosonde Juliusruh, GIRO-Netzwerk, HamDXMap
Phase 1 und 2 haben beschrieben, wie die Ionosphäre theoretisch sein sollte. Phase 3 schaut nach, wie sie tatsächlich ist. Das ist der Unterschied zwischen einer Modellaussage und einer echten Messung. Beide zusammen ergeben erst ein vollständiges Bild – so wie man einem Wetterbericht und dem Blick aus dem Fenster zusammen mehr vertraut als jedem von beiden allein.
Was ich konkret notiere:
- foF2 (aus Juliusruh): Den aktuellen Wert ablesen. In Mitteleuropa ist der Normalbereich tagsüber etwa 7–9 MHz. Liegt foF2 bei 9 MHz, ist die MUF für einen 3.000-km-Pfad grob 9 × 3 = 27 MHz, das 12m-Band (24,9 MHz) also mit etwas Reserve nutzbar. Bei foF2 von 7 MHz sinkt die MUF auf ~21 MHz, das 15m-Band wird zur Obergrenze. Nachts kann foF2 auf 4–5 MHz sinken – dann ist auf 20m DX zu den entfernten Kontinenten mit Vorsicht zu genießen.
- C-Level: Direkt daneben im Ionogramm. Liegt er bei 11–22: Daten vertrauen. Liegt er bei 33–55: Mit Skepsis lesen, lieber auf PSK Reporter und DX-Cluster als reale Bestätigung warten.
- fmin: Liegt fmin ungewöhnlich hoch (z.B. über 3–4 MHz tagsüber)? Das ist ein Zeichen für aktive D-Schicht-Absorption, oft nach einem kürzlich stattgefundenen Flare. In diesem Fall sind die Low-Bands für Raumwellen-DX komplett tot, und selbst 20m könnte gedämpft sein.
- Spread-F vorhanden? Sind die Echos im Ionogramm diffus und verbreitert statt als scharfe Linie? Dann turbulente F-Schicht – flatternde Signale und instabile MUF zu erwarten.
- Aktuelle MUF über dem Pfad (HamDXMap): Für die gewünschte Zielregion (z.B. Japan, Nordamerika, Australien) in HamDXMap den Pfad einzeichnen und prüfen: Liegt die MUF an allen Reflexionspunkten über der geplanten Betriebsfrequenz? Wenn die MUF mitten auf dem Atlantik einbricht, reißt die 15m-Verbindung zur Ostküste ab, auch wenn sie bei dir und dort gut aussieht.
- Wochentag + Uhrzeit notieren: Die MUF hat einen typischen Tagesverlauf – Maximum am frühen Nachmittag (UTC), Abfall nach Sonnenuntergang. Liegt man morgens um 07:00 UTC an der MUF-Untergrenze für 15m, wird es bis Mittag besser. Liegt man abends um 18:00 UTC bereits an der Grenze, wird es schlechter, nicht besser.
Zwischenfazit Phase 3: Jetzt liegt ein echter Messwert der Ionosphäre vor. In Kombination mit Phase 1 (Was soll die Ionosphäre können?) und Phase 2 (Ist sie ungestört?) entsteht ein konsistentes Bild – oder eben eine Diskrepanz, die weiter nachforschen lässt.
7.3.4 Phase 4: Echtzeit-Bandcheck (Dauer: 2–3 Minuten)
Quelle: PSK Reporter, WSPRnet, DX-Cluster, DXHeat, RBN
Phase 3 hat gezeigt, was die Ionosphäre theoretisch hergibt. Phase 4 schaut nach, was auf den Bändern tatsächlich passiert. Das ist die Realitätsprüfung: Klafft zwischen Messung und tatsächlicher Bandaktivität eine Lücke, ist das ein Signal, genauer hinzuschauen.
Was ich konkret notiere:
- PSK Reporter – Bandübersicht: Auf pskreporter.info das eigene Rufzeichen eingeben (oder als Beobachter stöbern) und filtern, was auf welchen Bändern in den letzten 15–30 Minuten gelaufen ist. Dabei folgende Fragen beantworten:
- Ist 10m aktiv, und wenn ja: kurze europäische Verbindungen (= Sporadic-E) oder transatlantisch/interkontinental (= F2)?
- Ist 15m für mehr als nur Europa offen?
- Ist 20m grade über Nacht gelaufen, oder gab es eine Lücke?
- Zeigen sich erste Verbindungen auf 12m oder 6m, die noch nicht erwartet wurden?
- WSPRnet: Für Bänder, die laut foF2-Rechnung gerade an der MUF-Grenze liegen, ist WSPRnet der empfindlichste Indikator. Wenn dort bereits erste Verbindungen auftauchen, steht die Öffnung unmittelbar bevor – oft 15–30 Minuten bevor der erste Spot im DX-Cluster erscheint.
- DX-Cluster / DXHeat: Gibt es ungewöhnliche Spots? Z.B. plötzlich viele VK/ZL-Spots auf 20m um ungewöhnliche Uhrzeit? Oder JA-Spots auf 10m kurz nach Sonnenaufgang UTC? Das sind Hinweise auf besondere Bedingungen wie Greyline-Öffnungen oder frühe F2-Peaks.
- RBN (Reverse Beacon Network): Falls CW im Repertoire: Ein eigenes kurzes CQ auf einem Band und sofort auf RBN schauen, ob und wo man gehört wurde. Das ist in 30 Sekunden erledigt und gibt den direkten Beweis, ob das Band aus eigener Station tatsächlich offen ist.
- IBP-Baken: Falls man am Funkgerät sitzt: Das NCDXF-Bakennetz (20m, 17m, 15m, 12m, 10m) abhören. Wenn die 100-mW-Stufe einer Bake aus W6WX (San Francisco) oder JA2IGY (Japan) auf 15m noch hörbar ist, ist das Band wirklich offen. Keine Modellrechnung, kein Fremdbericht – das eigene Ohr entscheidet.
Zwischenfazit Phase 4: Jetzt ist das Bild komplett. Phase 1–3 haben die Theorie geliefert. Phase 4 hat sie entweder bestätigt oder korrigiert. Wenn alles konsistent ist, ist der Bericht fertig. Wenn es Widersprüche gibt – z.B. foF2 hoch, aber PSK Reporter zeigt kaum Aktivität – dann liegt entweder eine Datenverzögerung vor, oder es gibt einen lokalen Effekt (lokale Absorption, Störquellen), dem man nachgehen sollte.
7.3.5 Phase 5: Synthese und Entscheidung (Dauer: 1–2 Minuten)
Das ist der eigentliche Bericht. Alles, was in Phase 1–4 gesammelt wurde, wird jetzt in ein kompaktes Notizbuch-Format gegossen. Keine Romane, keine Fachwort-Parade – nur die Kernaussagen, die direkt handlungsrelevant sind. Wenige Sätze. Klare Aussage. Fertig.
Die vier Kernfragen der Synthese:
- Welches Band bietet heute die besten Chancen für mein Ziel?
- Zu welcher Uhrzeit (UTC) ist das Optimum?
- Was sind die Risiken oder Einschränkungen?
- Was sollte ich morgen anders oder besser beachten?
Wer diese vier Fragen beantworten kann, hat alles Nötige für eine fundierte Betriebsentscheidung in der Tasche.
7.4 Das Notizbuch-Format: Struktur des Berichts
Hier kommt das konkrete Template, das ich für jeden Betriebstag empfehle. Es ist absichtlich kurz und auf das Wesentliche reduziert – kein Roman, sondern ein präzises Werkzeug. Das Format ist darauf ausgelegt, auf einem DIN-A5-Notizbuchblatt oder in einer einfachen Textdatei Platz zu haben.

7.4.1 Das Template
═══════════════════════════════════════════════
FUNKWETTERBERICHT
Datum: UTC:
Erstellt um:
═══════════════════════════════════════════════
── EBENE 1: SOLARE LAGE ─────────────────────
SFI: Tendenz (3 Tage): ↑ / → / ↓
SSN:
304 Å Flux: (optional)
Akt. Sonnenreg: auffällig / unauffällig
Bemerkung:
── EBENE 2: MAGNETOSPHÄRE ───────────────────
Kp (aktuell): A-Index (heute/gestern):
Bz: nT Trend: stabil / fallend / steigend
Speed: km/s Ptn Flx: normal / erhöht
Sturmrisiko 24h: gering / mittel / hoch
CME erwartet: ja / nein (wenn ja, wann ca.: )
Bemerkung:
── EBENE 3: IONOSPHÄRE DIREKT ───────────────
foF2 (Juliusruh): MHz Zeit: UTC
C-Level: fmin: MHz
MUF (3000km): ca. MHz
Spread-F: ja / nein
Pfadcheck (HamDXMap):
→ Nordamerika: MUF ok / grenzwertig / zu niedrig
→ Japan/Asien: MUF ok / grenzwertig / zu niedrig
→ Ozeanien: MUF ok / grenzwertig / zu niedrig
Bemerkung:
── EBENE 4: BAND-ECHTZEIT ───────────────────
PSK Reporter / WSPRnet:
10m: aktiv (Es / F2 / nein) Region:
12m: aktiv (F2 / nein) Region:
15m: aktiv (F2 / nein) Region:
17m: aktiv (F2 / nein) Region:
20m: aktiv / ruhig / geschlossen
40m: aktiv / ruhig
80m: aktiv (nachts) / ruhig
DX-Cluster-Highlights:
RBN/IBP-Check:
Bemerkung:
── SYNTHESE & ENTSCHEIDUNG ──────────────────
Beste Bänder heute:
Beste Zeitfenster (UTC):
Zielregionen mit besten Chancen:
Einschränkungen/Risiken:
Empfehlung Betriebsart:
Ausblick morgen:
═══════════════════════════════════════════════
7.4.2 Hinweise zum Ausfüllen
Zur Spalte „Tendenz (3 Tage)“: Ein einfacher Blick auf den SFI-Graphen der letzten drei Tage auf NOAA oder solarham.net genügt. Pfeil nach oben (↑) = Sonne wird aktiver. Pfeil gerade (→) = stabil. Pfeil nach unten (↓) = Aktivität nimmt ab.
Zur Spalte „MUF (3000km)“: Diese ergibt sich grob aus foF2 × 3 (als Mittelwert des 2,5–3,5-Faktors). Bei foF2 = 8 MHz: MUF ≈ 24 MHz → 15m-Band (21 MHz) ist knapp drin, 12m (24,9 MHz) ist Grenzbereich. Einfache Rechnung, zwei Sekunden.
Zur Spalte „Pfadcheck“: HamDXMap aufrufen, Start- und Zielpunkt setzen, MUF-Karte aktivieren. Ein kurzer Blick auf die Farbgebung der Reflexionspunkte entlang des Pfades gibt die Antwort. Grün = gut, gelb = grenzwertig, rot = zu niedrig.
Zur Rubrik „DX-Cluster-Highlights“: Nicht alle Spots lesen – das dauert ewig. Stattdessen auf DXHeat oder gefilterte DX-Cluster-Ansicht schauen: Gibt es Spots für ungewöhnliche Kombinationen (ungewöhnliche Bänder, ungewöhnliche Uhrzeiten, seltene DXCC)? Das sind die Hinweise, die man festhalten will.
Zur Rubrik „RBN/IBP-Check“: Nur ausfüllen, wenn man am Funkgerät sitzt. Ansonsten leer lassen – besser ein ehrlich leeres Feld als eine Schätzung.
Zur Spalte „Empfehlung Betriebsart“: Hier gilt: Hoher K-Index und turbulente Ionosphäre → FT8 oder andere schwachsignaltolerante digitale Modi sind SSB und CW überlegen, weil sie tiefe negative SNR-Werte noch dekodieren. Stabile, gute Bedingungen → alle Betriebsarten gleichwertig, SSB und CW sind sogar befriedigender, weil man die Verbindung direkter erlebt.
7.5 Muster-Funkwetterbericht: Ein ausgefülltes Beispiel
Um das Template mit Leben zu füllen, ein vollständig ausgearbeitetes Beispiel für einen typischen Werktag im Sonnenfleckenmaximum. Die Werte sind realistisch, aber fiktiv – das Datum spielt keine Rolle. Wer das Muster versteht, kann es auf jeden echten Tag übertragen.

═══════════════════════════════════════════════
FUNKWETTERBERICHT
Datum: 15.03.2025 UTC: 07:45
Erstellt um: 07:50 UTC
═══════════════════════════════════════════════
── EBENE 1: SOLARE LAGE ─────────────────────
SFI: 148 Tendenz (3 Tage): ↑
SSN: 187
304 Å Flux: leicht erhöht (SDO-Bild zeigt 2 aktive Regionen)
Akt. Sonnenreg: AR3590 (groß, Beta-Gamma) – Flare-Potenzial M-Klasse
Bemerkung: SFI steigt seit 3 Tagen konstant. Sehr guter Rahmen.
AR3590 im Auge behalten – potenzieller M-Flare.
── EBENE 2: MAGNETOSPHÄRE ───────────────────
Kp (aktuell): 2 A-Index heute: 8 / gestern: 11
Bz: +3 nT (stabil nördlich) Trend: stabil
Speed: 380 km/s Ptn Flx: normal
Sturmrisiko 24h: gering
CME erwartet: nein
Bemerkung: Ruhige Magnetosphäre. A-Index gestern etwas erhöht
(kleiner Sturm vorgestern), heute bereits erholt.
Bz solide positiv – kein Einbruch zu erwarten.
── EBENE 3: IONOSPHÄRE DIREKT ───────────────
foF2 (Juliusruh): 9,2 MHz Zeit: 07:30 UTC
C-Level: 18 fmin: 1,8 MHz (unauffällig)
MUF (3000km): ca. 27,5 MHz
Spread-F: nein (scharfe Echolinien)
Pfadcheck (HamDXMap):
→ Nordamerika: MUF ok (25–28 MHz auf dem gesamten Pfad)
→ Japan/Asien: grenzwertig (MUF 22–24 MHz, 15m ok, 12m knapp)
→ Ozeanien: grenzwertig (MUF 20–22 MHz, 15m möglich, 12m riskant)
Bemerkung: foF2 ungewöhnlich hoch für 07:30 UTC – sehr gute
F2-Schicht. MUF steigt noch bis ca. 13–14 UTC.
Pfad nach NA sieht exzellent aus. Japan eher 15m
als 12m riskieren.
── EBENE 4: BAND-ECHTZEIT ───────────────────
PSK Reporter / WSPRnet:
10m: aktiv (F2, transatlantisch) Region: NA, SA
12m: aktiv (F2) Region: NA, Karibik
15m: aktiv (F2, interkontinental) Region: NA, JA, VK
17m: aktiv (F2, stark) Region: weltweit
20m: aktiv, viel Betrieb
40m: aktiv (Europa, erste DX-Öffnungen)
80m: ruhig (Tagbetrieb, Bodenwelle)
DX-Cluster-Highlights:
- W7/K7 auf 12m (28.060 FT8) – F2, exzellent
- VK2 auf 15m (21.074 FT8) – Long Path, sehr stark
- JA7 auf 17m (18.100 FT8) – Short Path, S7
- ZL3 auf 15m (21.074 FT8) – Long Path, schwach aber da
RBN/IBP-Check: IBP auf 15m: 4U1UN (NY) mit 100mW hörbar –
Autobahn-Bedingungen bestätigt.
Bemerkung: Realität bestätigt Theorie vollständig. 15m und 17m
sind heute die Stars. 12m lohnt nach Tokio mit
Vorsicht. 10m zeigt F2, nicht nur Es.
── SYNTHESE & ENTSCHEIDUNG ──────────────────
Beste Bänder heute:
1. 17m → weltweit, ganzen Tag, stabil
2. 15m → NA und VK/ZL Long Path exzellent; JA Short Path ok
3. 12m → NA top, JA/VK riskant aber möglich
4. 20m → Fallback, immer gut
Beste Zeitfenster (UTC):
NA Short Path (W/VE): 08:00–15:00 UTC auf 15m/12m/10m
JA Short Path: 06:30–09:00 UTC auf 17m/15m
VK/ZL Long Path: 05:30–07:30 UTC auf 15m (jetzt verpassen!)
EU-Greyline morgen: ca. 05:15 UTC Sonnenaufgang DL → 80m/40m
Zielregionen mit besten Chancen:
→ Nordamerika: sehr gut (alle oberen Bänder)
→ Japan/Asien: gut (17m und 15m)
→ Ozeanien: Long Path bis ca. 08 UTC, danach nur noch 20m
Einschränkungen/Risiken:
- AR3590 kann M-Flare produzieren → plötzlicher Blackout möglich
- D-Schicht aktiv → 80m/40m tagsüber für DX-Raumwelle eingeschränkt
- VK/ZL Long Path läuft jetzt (07:50 UTC) – in 30 min zu spät
Empfehlung Betriebsart:
Gute Bedingungen → alle Betriebsarten. FT8 auf 15m und 17m für
maximale DX-Strecke; SSB auf 17m für europäische Verbindungen.
Bei Flare-Warnung sofort auf FT8 wechseln (mehr Reserven).
Ausblick morgen:
SFI steigt weiter (Proppy: +5 SFU wahrscheinlich). Kp-Vorhersage
ruhig (SpaceWeatherLive: Kp 1–2). AR3590 dreht sich langsam
aus der Erdansicht – Flare-Risiko in 48h gesunken. Morgen
wahrscheinlich noch bessere Bedingungen. Greyline 80m vormerken.
═══════════════════════════════════════════════
Dieser Bericht hat drei Minuten gedauert und enthält alle Informationen, die man braucht, um den Betriebstag zu planen. Kein einzelnes Tool hätte dieses vollständige Bild geliefert. Erst die Zusammenführung der Ebenen 1–4 ergibt die Synthese.
7.6 Sonderfälle: Was tun, wenn die Daten nicht zusammenpassen?
In der Praxis ist nicht immer alles konsistent. Manchmal zeigen die Indizes gute Bedingungen, aber PSK Reporter bestätigt es nicht – oder umgekehrt. Hier ein kurzer Leitfaden für die häufigsten Diskrepanzen. Die Ionosphäre ist komplex, und sie hat keinen Kundendienst.

7.6.1 Hoher SFI, aber kaum Aktivität auf den hohen Bändern
Mögliche Ursachen:
- Tageszeit: Es ist noch zu früh oder schon zu spät. Die MUF auf dem gewünschten Pfad ist noch nicht hoch genug (morgens) oder bereits gefallen (abends). Auf HamDXMap nachschauen, wann der Pfad öffnet.
- Erhöhter Kp trotz guter Sonne: Auch ein moderater Kp von 3–4 kann die oberen Bänder deutlich dämpfen. Kp gegen SFI aufwiegen.
- C-Level-Problem: Das Ionogramm hat einen hohen C-Level gemeldet – die foF2-Messung ist unzuverlässig. Auf den Realitätscheck (PSK Reporter, WSPRnet) verlassen statt auf das Ionogramm.
- Lokale Absorption: Selten, aber möglich – lokale atmosphärische Störungen oder erhöhtes QRM. Kurzer Scan auf mehreren Bändern mit dem eigenen Gerät.
7.6.2 Niedriger SFI, aber Band ist offen
Mögliche Ursachen:
- Sporadic-E: Das klassische Phänomen. Sporadic-E ist vollkommen unabhängig vom SFI. Wenn plötzlich starke europäische Stationen auf 10m oder 6m auftauchen, ist das fast immer Es. Erkennungs-Cues: alle Verbindungen innerhalb 800–2400 km, keine transatlantischen Verbindungen.
- Greyline-Effekt: Kurzes Öffnungsfenster durch Greyline-Bündelung. Dauert nur 15–30 Minuten, aber kann außergewöhnliche DX-Verbindungen ermöglichen, die nach dem SFI überhaupt nicht erklärbar wären.
- Chordal Hop: Wie in Modul 1.2.3 beschrieben – Signale kommen mit inexplicabler Stärke, weil ein Chordal-Hop-Kanal aktiv ist.
7.6.3 Kp steigt plötzlich während des Betriebs
Das ist der klassische CME-Einschlag oder ein koronales Loch, das einen erhöhten Sonnenwindstrom liefert. Was tun?
- Sofort Bz auf NOAA-Dashboard prüfen. Ist Bz negativ? Dann ist der Sturm im Gange, und er wird wahrscheinlich weiter eskalieren.
- Auf niedrigere Bänder ausweichen: 40m und 80m sind weniger empfindlich gegenüber Magnetstürmen als 15m und 10m.
- Auf robustere Betriebsarten wechseln: FT8 überlebt Bedingungen, bei denen SSB bereits komplett unleserlich geworden ist.
- Für UKW-Funker: Aurora-Antenne nach Norden drehen und 2m checken.
- Den Sturm im Bericht notieren und morgen erneut einschätzen. Ionosphärische Erholung dauert 24–48 Stunden nach Sturmende.
7.6.4 Mögel-Dellinger-Effekt mitten im QSO
Das Kennzeichen ist eindeutig: Alle Stationen verschwinden gleichzeitig und schlagartig. Das ist kein Fading, kein QRM – das ist ein Blackout. Was tun?
- Nicht verzweifeln und wild am VFO kurbeln. Das nützt nichts.
- NOAA X-Ray Flux Monitor aufrufen: Bestätigt ein M- oder X-Flare, ist der Blackout erklärbar und wird sich nach Ende des Flares von selbst erholen – typisch innerhalb von 30 Minuten bis 2 Stunden, je nach Klasse.
- Low-Bands probieren: Der Blackout betrifft hauptsächlich hohe Frequenzen. Auf 40m und 80m kann es via Bodenwelle noch gehen, solange man im Nahbereich bleibt.
- Pause machen. Das ist der Moment, um die Antennenstecker zu polieren, Kaffee zu kochen oder das Logbuch nachzuführen. Die Ionosphäre kommt schon wieder.
7.7 Den Bericht zur Routine machen
Der eigene Funkwetterbericht entfaltet seinen vollen Nutzen nicht beim ersten Mal, sondern nach Wochen regelmäßiger Anwendung. Hier ein paar Empfehlungen, wie man daraus eine produktive Gewohnheit macht. Kein Hexenwerk – nur Wiederholung.

7.7.1 Das Nachher ist genauso wichtig wie das Vorher
Der Bericht vor dem Betrieb ist die Prognose. Der kurze Nachtrag nach dem Betrieb ist die Auswertung. Zwei bis drei Stichpunkte genügen: Hat sich die Einschätzung bestätigt? Was war anders als erwartet? War ein bestimmtes Band besser oder schlechter als prognostiziert?
Diese Nachträge sind das Lernmaterial. Wer nach drei Monaten seine alten Berichte mit den Nachträgen liest, wird sehr schnell Muster erkennen: Wann überschätze ich die Bedingungen? Wann verpasse ich Greyline-Öffnungen? Welche Kombination von SFI und Kp liefert bei mir mit meiner Antenne tatsächlich gute 15m-Verbindungen?
7.7.2 Digitale vs. analoge Führung
Beide Varianten funktionieren. Das analoge Notizbuch hat den Vorteil, dass man beim Schreiben aktiver nachdenkt – aber man kann es nicht durchsuchen. Die digitale Textdatei oder ein einfaches Spreadsheet ermöglicht nach drei Monaten eine Auswertung: Wie oft hatte ich Kp ≤ 2 bei SFI ≥ 130? Wie oft hat das zu tatsächlich guten 12m-Verbindungen geführt?
Wer ohnehin ein digitales Logbuch führt (z.B. mit Log4OM, DX4WIN oder ähnlichem), kann den Funkwetterbericht als tägliche Notiz in die Session-Beschreibung integrieren. Dann ist alles an einem Ort.
7.7.3 Der 5-Minuten-Bericht für den Alltag
Für Tage, an denen keine Zeit für den vollständigen Durchlauf bleibt, hier eine Minimal-Version, die in fünf Minuten erledigt ist:
- NOAA-Dashboard, drei Werte lesen: SFI, Kp, Bz. (30 Sekunden)
- PSK Reporter, letzte 15 Minuten, alle Bänder. Welche Bänder zeigen interkontinentale Aktivität? (2 Minuten)
- foF2 Juliusruh lesen. MUF grob berechnen. (1 Minute)
- Entscheidung treffen: Welches Band, welche Richtung? (1 Minute)
- Drei Stichworte notieren: z.B. „SFI 142, Kp 1, 15m NA offen“ (30 Sekunden)
Fertig. Kein perfekter Bericht, aber ausreichend für eine informierte Entscheidung. Besser als der Griff ins Dunkle – immer.
7.8 Werkzeuge für den mobilen Einsatz
Wer mit dem IC-705 oder X6100 im Portable-Betrieb unterwegs ist – auf einer Bergkuppe im Vogtland oder beim SOTA-Aktivieren – will keine zehn Browser-Tabs aufmachen. Für den mobilen Schnell-Check empfehlen sich:
- Ham Radio Propagation (iOS/Android): Kompakte App mit SFI, K-Index, A-Index und kurzer Bandübersicht. Gut für den Vorab-Check ohne Computer.
- DXToolbox (iOS/Mac): Etwas umfangreicher, zeigt auch Greyline und Proppy-ähnliche Vorhersagen.
- VE3SUN Solar Terrestrial Data (Web und App): Übersichtliche Darstellung der wichtigsten Parameter, auch mobiloptimiert.
- PSK Reporter im Mobilbrowser: Funktioniert auch auf dem Smartphone. Für den schnellen Bandcheck unterwegs vollkommen ausreichend.
- DXHeat im Mobilbrowser: Die Kartenansicht der DX-Cluster-Spots ist auch auf kleinen Bildschirmen lesbar.
Für den Portable-Betrieb gilt: Ein kurzer Blick auf SFI und Kp über eine der Apps, ergänzt durch einen Blick auf PSK Reporter, genügt in den meisten Fällen für eine gute Entscheidung. Man muss nicht perfekt vorbereitet sein, um gut zu funken – aber man sollte wissen, womit man es zu tun hat.
7.9 Zusammenfassung: Der Bericht in einem Satz
Wenn du nach diesem Modul nur einen einzigen Gedanken mitnimmst, dann diesen: Ein Funkwetterbericht ist die Übersetzung von Rohdaten in eine Entscheidung. Nicht mehr, nicht weniger. Die Daten sind überall verfügbar und kostenlos. Die Entscheidung, was sie für dich und deine Station bedeuten, kann dir niemand abnehmen – und genau das ist es, was das Ganze so befriedigend macht.
Wer regelmäßig seinen eigenen Bericht erstellt, hört nach einigen Wochen auf, das Funkgerät im Dunkeln einzuschalten. Er weiß vorher, was ihn erwartet. Und wenn dann doch einmal ein unerwartetes DX-Signal aus Neuseeland auf 80m reinkommt, obwohl der Bericht das nicht vorhergesagt hat – nun ja. Dann war es die Greyline, die man beim nächsten Mal früher einplant. Und das ist auch ein Lerneffekt. Einer von vielen. Das Rabbithole endet hier nicht – aber man navigiert es jetzt mit Karte.
Links
- NOAA Space Weather Prediction Center: https://www.swpc.noaa.gov
- Ionosonde Juliusruh (IAP): https://www.iap-kborn.de/forschung/abteilungen/ionosphaere/ionosonde/
- GIRO Ionosonden-Netzwerk: https://giro.uml.edu
- Solarham.net: https://www.solarham.net
- SpaceWeatherLive: https://www.spaceweatherlive.com
- HamDXMap: https://f5uii.net/en/hamdxmap/
- Proppy: https://soundbytes.asia/proppy/
- PSK Reporter: https://www.pskreporter.info
- WSPRnet: https://www.wsprnet.org
- DXHeat: https://www.dxheat.com
- DXSummit: https://www.dxsummit.fi
- Reverse Beacon Network: https://www.reversebeacon.net
- HamQSL Solar Widget: https://www.hamqsl.com/solar.html
- NOAA X-Ray Flux (GOES): https://www.swpc.noaa.gov/products/goes-x-ray-flux
Glossar der Funkwetter-Parameter
Alle im Kurs verwendeten Kürzel, Indizes, Schichten und Ausbreitungsphänomene – alphabetisch sortiert, mit Beschreibung und Praxishinweis.
| Kürzel / Begriff | Bezeichnung | Beschreibung | Praxishinweis |
|---|---|---|---|
| 304 Å Flux | EUV-Strahlungsfluss | Misst den Photonenfluss extremer Ultraviolettstrahlung bei 30,4 nm, emittiert von der oberen Chromosphäre und Übergangsregion der Sonne (He II, ~50.000–80.000 K). Wird ausschließlich von Raumsonden (z. B. SDO) gemessen, da die Erdatmosphäre diese Strahlung vollständig absorbiert. | Steigender Wert = Ionosphäre wird dichter. Besonders aussagekräftig, wenn SFI stagniert: Läuft der 304 Å Flux trotzdem nach oben, lohnt ein Blick auf die hohen Bänder. Kap. 2.1.4 |
| A-Index | Geomagnetischer Tagesindex | Linearer Tagesmittelwert der geomagnetischen Aktivität, berechnet aus den acht täglichen ak-Werten. Skala von 0 (absolut ruhig) bis über 200 (extremer Sturm). Da die K-Skala quasi-logarithmisch ist, wird jeder K-Wert zunächst in den linearen ak-Wert umgerechnet, bevor der Mittelwert gebildet wird. | A < 10: „Super Conditions“ für DX. A 10–30: Unruhig, aber noch brauchbar. A > 30: Magnetsturm. A > 200: Nahezu vollständiger KW-Zusammenbruch. Kap. 3.2.3 |
| ak | Äquivalente Amplitude | Hilfswert zur linearen Umrechnung der quasi-logarithmischen K-Werte: K=0 → ak=0, K=1 → ak=3, K=2 → ak=7, K=3 → ak=15, K=4 → ak=27, K=5 → ak=48, K=6 → ak=80, K=7 → ak=140, K=8 → ak=240, K=9 → ak=400. Die acht täglichen ak-Werte werden gemittelt und ergeben den A-Index. | Nicht direkt auf Dashboards sichtbar; relevanter Rechenschritt im Hintergrund. Erklärt, warum der A-Index nicht einfach der K-Durchschnitt ist. Kap. 3.2.3 |
| Aurora / Radio-Aurora | Polare Funkstreuung | Ausbreitungsphänomen auf VHF (vor allem 2m), bei dem Signale an den ionisierten Vorhängen von Polarlichtern gestreut werden. Erkennbar am typischen Zisch- und Rauschton aller Signale (starker Doppler-Effekt durch Bewegung der reflektierenden Gebiete). Antenne zeigt nicht zur Gegenstation, sondern nach Norden. | K-Index ≥ 5 ist das Startsignal. Beste Zeiten: spätnachmittags und kurz vor Mitternacht. Saisonaler Schwerpunkt März/April und September/Oktober. Kap. 5.3.1 |
| B0 / B1 | IRI-Profilparameter | Parameter des International Reference Ionosphere (IRI)-Modells: B0 beschreibt die physikalische Dicke der F2-Schicht im Bereich des Elektronendichte-Maximums; B1 beschreibt die Form des Dichteprofils (spitz oder flach). | In der Ionogramm-Auswertung sichtbar; je dicker die Schicht (hoher B0), desto mehr Spielraum für stabile Wellenrefraktion. Kap. 4.2.4 |
| Bodenwelle | Erdgebundene Ausbreitung | Funkwelle, die sich entlang der Erdoberfläche ausbreitet und dabei deren Krümmung folgt. Reichweite stark frequenzabhängig: auf 80m bis ca. 300 km, auf 20m nur noch ca. 25 km. Wird durch Bodenleitfähigkeit gedämpft – Salzwasser leitet besser als trockenes Land. | Auf Kurzwelle für regionale Nahverbindungen tagsüber nutzbar, wo die Raumwelle wegen der Skip-Zone ausfällt. Kap. 1.2.1 |
| Bz | IMF-Nordkomponente | Nord-Süd-Ausrichtung des interplanetaren Magnetfeldes (IMF) in nanoTesla (nT). Bz positiv (Nord): Magnetfeldlinien des Sonnenwinds zeigen in die gleiche Richtung wie das Erdfeld – Schutzschild dicht. Bz negativ (Süd): Magnetfeldlinien können mit denen der Erde verschmelzen – Energie koppelt in die Magnetosphäre ein, K-Index steigt. | Bz –2,5 nT: erstes Warnzeichen. Bz ≤ –10 nT kombiniert mit Sonnenwindgeschwindigkeit > 500 km/s: klassisches Rezept für Magnetsturm und Polarlichter. Kap. 3.1.2 |
| C-Level | Confidence Level | Maß für die Zuverlässigkeit der automatischen Ionogramm-Auswertung durch Software (meist Artist5). Skala 11–55: 11 = sehr sicher, 55 = sehr unsicher (Software hat „im Trüben gefischt“). Ein hoher C-Level bedeutet, dass die automatisch erkannten Kurven und daraus abgeleiteten Parameter (foF2, MUF) mit Vorsicht zu genießen sind. | Vor der Nutzung eines Ionogramms immer C-Level prüfen. Bei Werten nahe 55 lieber Rohdaten ignorieren. Kap. 4.2.6 / 4.3.5 |
| CME | Koronaler Massenauswurf | Explosionsartiger Ausstoß von Milliarden Tonnen solarem Plasma (Protonen, Elektronen, Heliumkerne) ins All. Reisezeit bis zur Erde: 24–72 Stunden. Trifft die Magnetosphäre und löst geomagnetische Stürme aus – global, nicht nur auf der Tagseite. Bz-Südausrichtung des mitgeführten Magnetfeldes verstärkt die Wirkung erheblich. | K-Index beobachten; bei CME-Einschlag oft drastischer Anstieg. Tagseitige KW-Verbindungen leiden, UKW-Aurora wird wahrscheinlicher. CME-Aktivität auf NOAA-Spaceweather-Seiten vorhersehbar. Kap. 2.2.2 |
| Chordal Hop | Ionosphärischer Tunnel-Hop | Ausbreitungsweg, bei dem die Funkwelle innerhalb der Ionosphäre von einer Reflexion zur nächsten gleitet, ohne zwischendurch den Erdboden zu berühren. Entstehen durch Gradienten in der Elektronendichte. Da keine Bodenverluste entstehen, kommen Signale oft mit überraschend hoher Stärke an. Besonders häufig auf dem Long-Path. | Erkennbar daran, dass Signale mit einer Stärke einschlagen, die physikalisch kaum erklärbar ist. Kap. 1.2.3 |
| D-Schicht | Ionosphärische Absorptionsschicht | Unterste ionosphärische Schicht (60–90 km). Existiert fast ausschließlich tagsüber. Absorbiert niedrige HF-Frequenzen (besonders 80m/160m): Freie Elektronen werden durch Funkwellen zum Schwingen gebracht, stoßen aber sofort mit den zahlreichen Gasmolekülen zusammen – die Energie wird in Wärme umgewandelt. Baut sich bei Sonnenuntergang innerhalb von Minuten ab. | Je höher die Sonnenaktivität, desto dichter die D-Schicht und desto höher die LUF. Nach Sonnenuntergang öffnen sich die Low-Bands. Kap. 1.3.1 |
| Density | Sonnenwind-Dichte | Anzahl der Teilchen (Protonen, Elektronen) pro Kubikzentimeter im Sonnenwind. Auf Dashboards als „Density“ oder „Dst“ angegeben. Hohe Dichte bei gleichzeitig hoher Geschwindigkeit und negativem Bz verstärkt den geomagnetischen Sturm erheblich. | Relevant in Kombination mit Speed und Bz – hohe Dichte allein reicht nicht für einen Sturm. Kap. 3.1.1 |
| Doppler-Shift | Dopplerverschiebung | Frequenzverschiebung von Echosignalen in der Ionosonde oder bei Radio-Aurora, verursacht durch Bewegung der reflektierenden Schicht (auf/ab) oder Turbulenz. Im Ionogramm als Verschiebung der Echolinien sichtbar. Bei Radio-Aurora als zischendes Rauschen hörbar. | Doppler-Echos im Ionogramm = Schicht bewegt sich. Warnsignal für instabile Bedingungen. Kap. 4.1.4 / 4.3.4 |
| DX-Cluster | Spots-Netzwerk | Weltweites Netzwerk, in dem Funkamateure Beobachtungen (Spots) von seltenen Stationen teilen: Rufzeichen, Frequenz, Zeitstempel. Tools wie DXSummit oder DXWatch ermöglichen Filterung nach Band und Region. Ergänzt PSK Reporter um manuelle Beobachtungen. | Plötzlich viele 10m-Spots aus der eigenen Region = Band ist offen. Sofort einschalten. Kap. 6.2.3 |
| E-Schicht | Ionosphärische Regionalschicht | Schicht in 90–130 km Höhe. Tagsüber durch Sonnenstrahlung ionisiert, nachts fast unsichtbar. Ermöglicht regionale Verbindungen (1.000–2.300 km je Hop). Kritische Frequenz: foE. Wird bei Nacht so schwach, dass die F-Schicht für Kurzwelle erreichbar wird. | Zuverlässig tagsüber für Europa-Verbindungen nutzbar. Nachts frei für F-Schicht-Ausbreitung auf den Low-Bands. Kap. 1.3.2 |
| Elc Flx | Elektronenfluss | Fluss der Elektronen im Sonnenwind in Teilchen/cm²/s. Auf professionellen Dashboards als „Elc Flx“ angegeben. Ergänzt den Protonenfluss als Indikator für die Intensität des Sonnenwinds. | Bei stark erhöhtem Elektronenfluss Zeichen für erhöhte Magnetosphärenaktivität. In Kombination mit Bz und Speed bewertet. Kap. 3.1.1 |
| Es / Sporadic-E | Sporadische E-Schicht | Wolkenartige Gebiete extrem hoher Ionisierung in 90–130 km Höhe, die völlig unvorhersehbar auftreten. Können Frequenzen bis in den VHF-Bereich (2m) reflektieren. Völlig unabhängig vom Sonnenfleckenzyklus. Saisonaler Schwerpunkt: Mai–August (Nordhalbkugel). | Erkennbar am plötzlichen Auftauchen starker Signale aus 800–2.400 km auf Bändern, die eigentlich geschlossen sein sollten. foEs im Ionogramm beobachten. Kap. 1.3.2 / 5.3.2 |
| EUV | Extrem-Ultraviolett | Strahlung im Wellenlängenbereich 1–120 nm, primär aus Korona und Chromosphäre der Sonne. Erzeugt die Ionisation der F2- und E-Schicht. Vom Boden aus nicht messbar; Satellitenmessung erforderlich (SDO). Der 304 Å Flux ist eine wichtige EUV-Wellenlänge. | Direkte Ursache für Ionosphärenbildung. Steigt mit Sonnenaktivität um bis zu Faktor 10 über einen Zyklus. Kap. 2.1.4 |
| F1-Schicht | Untere F-Schicht | Tagsüber vorhandene untere Teilschicht der F-Region in ca. 130–200 km Höhe. Entsteht durch UV-Strahlung und verschmilzt nachts mit der F2-Schicht. Weniger dicht ionisiert als die F2-Schicht; geringere Bedeutung für DX. | Tagsüber auf Ionogrammen als separate Spur sichtbar. Für DX-Praxis weniger relevant als die F2-Schicht. Kap. 1.3.3 |
| F2-Schicht | Obere F-Schicht / DX-Schicht | Wichtigste ionosphärische Schicht für Kurzwellen-DX (ab ca. 200 km, bis über 800 km). Höchste Elektronendichte. Bleibt auch nachts ionisiert (lange Rekombinationszeit). Tageswert foF2 in Mitteleuropa typisch 7–9 MHz. Bei hoher Sonnenaktivität (SFI > 120) kann die F2-Schicht nachts das 20m-Band durchgehend offen halten. | Die Hauptbühne für DX. Alles dreht sich um foF2, MUF und den M-Faktor. Kap. 1.3.3 |
| fmin | Minimale Echofrequenz | Niedrigste Frequenz, bei der eine Ionosonde noch ein verwertbares Echo empfängt. Liegt fmin ungewöhnlich hoch, signalisiert das starke D-Schicht-Absorption – oft nach Flares. Im Extremfall liegt fmin so hoch, dass keine nutzbaren Echos mehr zu sehen sind (Blackout). | Hohes fmin nach einem Flare = klares Warnsignal, dass die Low-Bands tot sind. Kap. 4.2.2 |
| foE | Kritische Frequenz E-Schicht | Höchste Frequenz, die bei senkrechter Abstrahlung von der regulären E-Schicht noch reflektiert wird. Tageszeitlich stark abhängig: Maximum um Mittag. Niedrigerer Wert als foF2. | Frequenzen deutlich über foE passieren die E-Schicht und werden von der F-Schicht bearbeitet. Für regionalen Tagesbetrieb relevant. Kap. 1.3.2 |
| foEs | Kritische Frequenz Sporadic-E | Höchste Frequenz, die senkrecht von einer sporadischen E-Schicht reflektiert wird. Kann bei starker Sporadic-E deutlich höher liegen als foE und sogar den VHF-Bereich erreichen. Im Ionogramm als separate, oft verbreiterte Spur sichtbar. | Plötzlich hoher foEs-Wert auf DX-Cluster oder Ionogramm = Sporadic-E-Opening ist im Gange. Kap. 4.2.1 |
| foF2 | Kritische Frequenz F2-Schicht | Höchste Frequenz, die bei senkrechter Abstrahlung von der F2-Schicht noch reflektiert wird. In Mitteleuropa typisch 7–9 MHz tagsüber; Basis für MUF-Berechnung. Im Ionogramm das Ende der roten O-Wellen-Echospur. | Wichtigster Einzelwert auf jedem Funkwetter-Dashboard. MUF ≈ foF2 × 2,5–3,5 (für 3.000 km). Kap. 1.3.3 / 4.2.1 |
| Frequenz-Sweep | Ionosonden-Messablauf | Verfahren der Ionosonde, bei dem die Sendefrequenz kontinuierlich von niedrigen Frequenzen (~1 MHz) bis zur technischen Grenze (~17 MHz) durchgefahren wird. Für jede Frequenz wird ein Echolaufzeit gemessen. Das Ergebnis ist das Ionogramm. | Im Wasserfall des eigenen Transceivers als diagonal ansteigende Impulskette sichtbar, wenn eine Ionosonde in der Nähe misst. Kap. 4.1.2 |
| fxI | Grenzfrequenz Spread-F | Höchste Frequenz von Spread-F-Echos im Ionogramm (außerordentliche X-Wellen-Komponente). Hohe fxI-Werte zeigen turbulente, inhomogene F-Schicht an – die Echos erscheinen nicht als scharfe Linie, sondern als diffuse Wolke. | Hohe fxI-Werte = flatternde Signale beim Empfang zu erwarten. Warnsignal für instabile Ausbreitung. Kap. 4.2.2 |
| Greyline | Dämmerungszone / Terminator | Schmaler Streifen entlang der Tag-Nacht-Grenze. Die D-Schicht bricht bei Sonnenuntergang innerhalb von Minuten zusammen, während die F-Schicht noch voll ionisiert bleibt – 15–30 Minuten lang. Signale werden entlang dieser Linie gebündelt. Bei Sonnenaufgang: beste Richtung Westen. Bei Sonnenuntergang: beste Richtung Osten. | Wichtigstes taktisches Werkzeug für Low-Band-DX (80m, 160m). DX-Verbindungen möglich, die zu anderen Zeiten undenkbar wären (z. B. DL → ZL auf 80m). Kap. 1.3.1 / 5.2.2 |
| Gyrofrequenz | Elektronen-Kreisfrequenz | Frequenz, mit der freie Elektronen im Erdmagnetfeld auf kreisförmigen Bahnen rotieren. Bestimmt den Abstand zwischen O-Welle und X-Welle im Ionogramm. In Mitteleuropa beträgt dieser Abstand ca. 700 kHz (= halbe Gyrofrequenz). | Wenn die grüne X-Wellen-Spur im Ionogramm exakt ~0,7 MHz rechts von der roten O-Wellen-Spur liegt: Messung physikalisch plausibel. Kap. 4.3.3 |
| h’E | Scheinbare Höhe E-Schicht | Virtuelle Höhe der E-Schicht, direkt aus der Echolaufzeit berechnet (noch nicht korrigiert). Wegen Plasmaabbremsung erscheint die Schicht etwas höher als sie physikalisch ist. | Für die E-Schicht weniger kritisch als bei F2, da die Höhenunterschiede geringer sind. Kap. 4.2.3 |
| h’F2 | Scheinbare Höhe F2-Schicht | Virtuelle Höhe der F2-Schicht, direkt aus der Echolaufzeit berechnet (ohne Plasmakorrektur). Da Funkwellen im Plasma abgebremst werden, wirkt die Schicht höher als sie ist. Ausgangswert für die Berechnung der wahren Höhe hmF2. | Nicht direkt für Sprungdistanz-Berechnung verwenden – dafür immer hmF2 benutzen. Kap. 4.2.3 |
| hmF2 | Wahre Höhe F2-Schicht | Tatsächliche physikalische Höhe des F2-Elektronendichte-Maximums, berechnet durch mathematische Korrektur der Plasmaabbremsung (z. B. durch Software Artist5). Bestimmt die reale Geometrie der Sprungdistanzen. | Höhere hmF2 = größere mögliche Sprungdistanz pro Hop. Für genaue Hop-Geometrie-Berechnungen relevant. Kap. 4.2.3 |
| IBP / NCDXF | International Beacon Project | System von 18 Kurzwellen-Bakenstationen der Northern California DX Foundation, weltweit verteilt, sendend auf 20m, 17m, 15m, 12m und 10m in festem Zeitschema. Jede Bake sendet ihr Rufzeichen und dann vier Striche mit 100W, 10W, 1W und 100mW abnehmender Leistung. | Wenn die 100-mW-Stufe noch hörbar ist: Band ist eine „Autobahn“. Schnellster Echtzeit-Check der Bandöffnung ohne eigenes Senden. Kap. 6.2.2 |
| IMF | Interplanetares Magnetfeld | Das Magnetfeld der Sonne, das vom Sonnenwind in den Weltraum hinausgetragen wird. Die Nord-Süd-Ausrichtung (Bz-Komponente) entscheidet darüber, ob die Erdmagnetosphäre von den Sonnenwindteilchen durchdrungen wird oder nicht. | Bz ist die entscheidende Komponente des IMF für den Funkwetter-Einfluss. Kap. 3.1.1 / 3.1.2 |
| K-Index | Lokaler geomagnetischer Index | Quasi-logarithmische Kennziffer (0–9) für die magnetische Unruhe an einem einzelnen Beobachtungsort, bestimmt alle drei Stunden. K=0: ruhig (<5 nT Abweichung); K=9: extremer Sturm (>500 nT Abweichung). Basis für den Kp-Index. | K 0–2: grünes Licht für DX. K ≥ 4: Ionosphäre instabil, polare Wege gestört. K ≥ 5: Aurora-Chance für UKW-Funker. Kap. 3.2.1 |
| Kp-Index | Planetarischer K-Index | Global gemittelter K-Index aus 13 gemagnetischen Observatorien (44°–60° geomagnetischer Breite), betrieben durch das GFZ Potsdam. Beseitigt lokale Störeinflüsse (Straßenbahn, Gewitter) und liefert ein verlässlicheres Weltbild als ein einzelner K-Wert. Taktung ebenfalls alle drei Stunden. | Für die Gesamtbeurteilung der globalen Magnetosphäre aussagekräftiger als lokale K-Werte. Kp < 4: ruhig. Kp ≥ 5: Magnetsturm. Kap. 3.2.2 |
| Long-Path | Langer Funkweg | Funkverbindung, bei der die Antenne in die entgegengesetzte Richtung (Short-Path + 180°) gedreht wird und das Signal einmal um den gesamten Globus läuft. Oft stärker als Short-Path, wenn der lange Weg überwiegend über Ozeane oder durch Tageslicht führt. Erkennbar am typischen „Flutter“ (flatternder Signalton). | Besonders lohnend bei Verbindungen nach Australien und Japan. HamDXMap hilft beim Erkennen günstiger Long-Path-Bedingungen. Kap. 5.2.3 |
| LUF | Niedrigste nutzbare Frequenz | Untergrenze des effektiven Frequenzfensters. Wird durch D-Schicht-Absorption bestimmt: Frequenzen unterhalb der LUF werden so stark gedämpft, dass keine nutzbare Raumwelle mehr zustande kommt. Steigt mit zunehmender Sonnenaktivität. Beim Mögel-Dellinger-Effekt überholt LUF die MUF → totaler Blackout. | Effektiver Funkbetrieb nur zwischen LUF und MUF möglich. Bei hoher Sonnenaktivität tagsüber ist LUF auf Low-Bands hoch – diese Bänder sind für Raumwelle tagsüber geschlossen. Kap. 5.1.2 |
| M-Faktor / M(D) | Übertragungsfaktor | Verhältnis zwischen der MUF und der foF2 für eine bestimmte Pfaddistanz. Für 3.000 km Distanz gilt die Faustformel: MUF ≈ foF2 × 2,5 bis 3,5. Im Ionogramm als MUF(D)-Wert in der Fußzeile ablesbar (D = Distanz, meist 3.000 km). | Erlaubt die direkte Berechnung der MUF aus der gemessenen foF2. Kap. 1.3.3 / 4.2.5 |
| Meteor Scatter (MS) | Meteorstreuung | Ausbreitung über ionisierte Meteoritenspur in 80–120 km Höhe. Die Spur besteht nur Bruchteile von Sekunden bis wenige Sekunden. Signale kommen als kurze „Bursts“ oder „Pings“ an. Heute hauptsächlich mit dem digitalen Modus MSK144 genutzt. | Jederzeit möglich, aber während Meteorströmen (z. B. Perseiden) besonders ertragreich. Keine Ionosphären-Indizes nötig – rein geometrisches Verfahren. Kap. 5.3.3 |
| Mögel-Dellinger-Effekt | Sudden Ionospheric Disturbance (SID) | Plötzliche, starke Ionisierung der D-Schicht durch Röntgenstrahlung eines M- oder X-Flares. Tritt auf der Tagseite innerhalb von ~8 Minuten nach dem Flare auf. Die LUF schnellt so stark nach oben, dass sie die MUF übersteigt – totaler KW-Blackout, der Minuten bis Stunden dauern kann. | Alle Stationen verschwinden schlagartig. Nach Ende des Flares normalisiert sich die Lage meist innerhalb von Stunden. Kap. 1.3.1 / 5.1.3 |
| MSK144 | Meteor-Scatter-Digitalmode | Digitaler Betriebsmodus (Teil von WSJT-X), optimiert für Meteor-Scatter-Verbindungen. Sendet komprimierte Datenpakete in 144-ms-Bursts, die an kurzen Meteorspuren reflektiert werden. | Standard-Mode für MS-Betrieb auf 2m und 6m. Ermöglicht vollständige QSOs, die mit CW/SSB kaum möglich wären. Kap. 5.3.3 |
| MUF | Maximale nutzbare Frequenz | Höchste Frequenz, die auf einem bestimmten Funkpfad zwischen zwei Punkten noch von der Ionosphäre reflektiert wird. Pfadabhängig (kein globaler Wert!). Muss an jedem Reflexionspunkt (Hop) entlang des gesamten Funkweges ausreichend hoch sein. Erreicht ihr Tagesmaximum meist am frühen Nachmittag. | Arbeite so nah wie möglich an der MUF: dort ist die Dämpfung am geringsten und die Reichweite am größten. Kap. 1.3.3 / 5.1.1 |
| nT | nanoTesla | Einheit für magnetische Flussdichte; Maßeinheit für K-Index-Abweichungen und Bz-Werte. K=0: < 5 nT Abweichung; K=9: > 500 nT Abweichung. Bz in nT: positive Werte gut, negative Werte (besonders unter –10 nT) schlecht. | Auf Dashboards in Echtzeit für Bz und Magnetometer-Abweichungen angezeigt. Kap. 3.1.2 / 3.1.3 |
| NVIS | Steilstrahlung | Near Vertical Incidence Skywave: Methode, bei der das Signal fast senkrecht in den Himmel gestrahlt wird (Antennenhöhe 3–5 m über Boden). Das Signal fällt wie ein Springbrunnen wieder direkt über dem Sender herunter – kein Skip, kein totes Loch. Bevorzugte Frequenzen: unter der aktuellen foF2 (meist 40m/80m). | Ideal für Notfunk-Netze und regionale Kommunikation bis ca. 500 km. Schließt die Skip-Zone. Kap. 5.2.1 |
| O-Welle | Ordentliche Welle | Eine der beiden Komponenten, in die eine Radiowelle beim Eintritt ins ionosphärische Plasma aufgespalten wird (magneto-ionische Aufspaltung). Im Ionogramm als rote Echospur dargestellt. Ausbreitungsgeschwindigkeit unabhängig von der Magnetfeldorientierung. Basis für alle offiziellen Frequenzberechnungen (foF2 usw.). | Die rote Spur im Ionogramm ist die Referenz. foF2 basiert immer auf der O-Welle. Kap. 4.3.1 |
| PSK Reporter | Digitales Monitoring-Netzwerk | Weltweites Netzwerk automatischer Empfangsstationen für digitale Betriebsarten (FT8, FT4 u. a.). Zeigt auf einer interaktiven Weltkarte in Echtzeit, welche Stationen das eigene Signal empfangen haben. | Sofort-Check: Kommt mein CQ auf der Ostküste der USA an? Bestes Feedback-Instrument für Antennen- und Bandkonditionstest. Kap. 6.2.1 |
| Ptn Flx | Protonenfluss | Fluss der Protonen im Sonnenwind in Teilchen/cm²/s. Auf professionellen Dashboards als „Ptn Flx“ angegeben. Bei stark erhöhtem Protonenfluss (nach großen Flares oder CMEs) drohen Polarkappenabsorption und erhöhtes Signalrauschen auf KW. | Hoher Ptn Flx nach großem X-Flare = Polarwege für Stunden oder Tage unbrauchbar. Kap. 3.1.1 |
| QRN | Atmosphärisches Rauschen | Natürliches Hochfrequenzrauschen durch Gewitter und atmosphärische Entladungen. Im Sommer weltweit erhöht; trifft besonders die Low-Bands (80m, 40m). Kein steuerbarer Faktor, aber saisonal vorhersehbar. | Im Sommer auf niedrigen Bändern erhöhtes Grundrauschen einkalkulieren. Kap. 2.1.3 |
| Raumwelle | Ionosphärisch reflektierte Welle | Funkwelle, die schräg in die Ionosphäre abgestrahlt wird, dort durch Refraktion zurückgekrümmt wird und hunderte bis tausende Kilometer vom Sender entfernt aufschlägt. Grundlage für alle DX-Verbindungen auf Kurzwelle. Zeigt Skip-Zone. | Steilerer Abstrahlwinkel → kürzere Sprungdistanz. Flacher Winkel → größere Sprungdistanz, höhere MUF. Kap. 1.2.1 |
| RBN | Reverse Beacon Network | Weltweites Netzwerk automatischer „Skimmer“-Empfänger für CW und RTTY. Meldet binnen Sekunden, mit welchem SNR das eigene CQ-Signal in verschiedenen Teilen der Welt gehört wurde. | Echtzeit-Signalstärken-Feedback für CW-Betrieb. Besonders nützlich zur Überprüfung der aktuellen Bandöffnung. Kap. 6.2.1 |
| SDO | Solar Dynamics Observatory | NASA-Satellit zur kontinuierlichen Beobachtung der Sonne in verschiedenen EUV- und UV-Wellenlängen, u. a. 304 Å (He II). Primäre Quelle für EUV-Messdaten (304 Å Flux), die vom Boden aus nicht messbar sind. | Bilder und Flux-Daten über NASA/SDO-Website und NOAA Space Weather abrufbar. Kap. 2.1.4 |
| SFI / F10.7 | Solarer Flux Index | Maß für die Sonnenaktivität, gemessen als Radiostrahlung der Sonne bei 10,7 cm Wellenlänge (2.800 MHz) in Solar Flux Units (SFU). Korreliert eng mit EUV-Strahlung, die für die F2-Schicht-Ionisation verantwortlich ist. Minimalwert physikalisch bedingt bei ~64–67 SFU. Maximum in Zyklusspitzen über 300 SFU. | SFI um 70: bescheidene Bedingungen. SFI > 100: obere Bänder aktiv. SFI > 150: DX-Traumtage. Bester Indikator in Kombination mit K-Index unter 2. Kap. 2.1.1 |
| SFU | Solar Flux Unit | Einheit des SFI: 1 SFU = 10⁻²² W/m²/Hz. Standardeinheit für den solaren Radiofluss. | Wird auf allen Funkwetter-Dashboards in SFU angegeben. Kap. 2.1.1 |
| Short-Path | Kurzer Funkweg | Direkte Verbindung über den kürzesten geographischen Weg zwischen zwei Stationen. Standardmäßig gewählt; Antenne zeigt in Richtung Ziel. | Bei schlechten Short-Path-Bedingungen kann Long-Path (→) die bessere Alternative sein. Kap. 5.2.3 |
| SID | Sudden Ionospheric Disturbance | → Mögel-Dellinger-Effekt. Plötzliche ionosphärische Störung durch intensiven Röntgenflare. Auf der Tagseite der Erde. | Synonym für Mögel-Dellinger-Effekt auf englischsprachigen Dashboards. Kap. 1.3.1 / 5.1.3 |
| Skip-Zone | Tote Zone | Bereich, in dem weder Bodenwelle (zu weit) noch Raumwelle (überschießt) ankommen. Typisch auf HF: 25–2.500 km je nach Frequenz und Ionosphärenbedingungen. Auf 10m kann die Skip-Zone bis zu 2.500 km groß sein, auf 80m oft gar nicht vorhanden. | Erklärt, warum man die Station 300 km entfernt nicht hört, aber Japan problemlos. Lösung: NVIS oder niedrigeres Band. Kap. 1.2.1 / 5.2.1 |
| SNR | Signal-Rausch-Verhältnis | Verhältnis der Signalstärke zum Hintergrundrauschen in Dezibel (dB). In VOACAP als Wahrscheinlichkeitswert für erfolgreiche Verbindungen genutzt. In FT8: SNR-Werte unter –20 dB noch dekodierbar. | Wird von VOACAP/Proppy für jeden Funkpfad als statistische Größe berechnet. Kap. 6.3.1 |
| Speed | Sonnenwindgeschwindigkeit | Geschwindigkeit des Sonnenwinds in km/s. Normalwert: 300–400 km/s. Kritischer Schwellwert: >500 km/s. In Kombination mit negativem Bz löst hohe Geschwindigkeit geomagnetische Stürme aus. | Speed allein reicht nicht für einen Sturm – immer Bz-Wert mitbewerten. Kap. 3.1.1 |
| Spread-F | F-Schicht-Turbulenz | Phänomen im Ionogramm, bei dem die Echos nicht als scharfe Linie, sondern als verwaschene, diffuse Wolke erscheinen. Zeigt turbulente, inhomogene F-Schicht an. Im Empfang hörbar als flatternde, instabile Signale. Im Ionogramm durch fxI-Wert charakterisiert. | Spread-F = schlechte, instabile Bedingungen erwarten. Kap. 4.3.4 |
| SN / SSN / R | Sonnenfleckenzahl | Anzahl der Sonnenflecken nach der Wolf-Formel: R = 10 × G + E (G = Gruppenanzahl, E = Einzelflecken). Subjektiver als SFI, aber historisch längste Datenreihe. Verwendet als SSN (Sunspot Number) international. Minimum im Zyklus: 0–10. Maximum: oft > 160, in starken Zyklen bis 300. | Faustregel: SSN < 10 → Bänder über 40m meist tot. SSN > 160 → fast alle KW-Bänder weltweit offen. Kap. 2.1.2 |
| Surges | Eruptive Protuberanzen | Stabförmige, senkrecht vom Sonnenrand aufsteigende Plasmaeruptionen mit ca. 200 km/s. Ähnliche Funkwetter-Auswirkungen wie CMEs (Magnetosphärenstörung, Signaldämpfung), aber kompakter und nadelförmig. Gemeinsamer physikalischer Ursprung mit Flares und CMEs: Magnetfeldlinien-Reißen auf der Sonnenoberfläche. | Weniger medial präsent als CMEs, aber mit ähnlichen Funkwetter-Folgen. Nach Surge mit magnetischer Unruhe und Dämpfung auf Low-Bands rechnen. Kap. 2.2.3 |
| TEP | Trans-Equatorial Propagation | Ausbreitung entlang des magnetischen Äquators über sehr große Distanzen, besonders auf 6m (50 MHz) und gelegentlich 2m. Nicht von Sonnenaktivität abhängig; saisonal (Frühjahr und Herbst) und tageszeitzeitlich (Abend) bedingt. | Für europäische Stationen meist nicht direkt nutzbar; eher für Stationen nahe am Äquator (afrikanische, südeuropäische) relevant. Kap. 6.1.3 |
| VOACAP | Ausbreitungs-Prognosemodell | Voice of America Coverage Analysis Program: weltweiter Referenzstandard für HF-Ausbreitungsprognosen. Berechnet anhand von SSN, Pfad, Leistung, Antenne und Betriebsart das statistische SNR und damit die Verbindungswahrscheinlichkeit. | Basis für Proppy und andere Prognose-Tools. Individuell konfigurierbar mit Stationsparametern. Kap. 6.3.1 |
| WSPR / WSPRnet | Weak Signal Propagation Reporter | Netzwerk für extrem schwache Signale: Stationen senden mit wenigen Milliwatt, Empfänger dekodieren weit unter dem Rauschpegel. Sensibelster Indikator für beginnende Bandöffnungen – reagiert früher als normale QSOs. | Wenn WSPR auf einem Band plötzlich Verbindungen zeigt, ist die Öffnung im Entstehen. Kap. 6.2.1 |
| X-Welle | Außerordentliche Welle | Zweite Komponente der magneto-ionischen Wellenaufspaltung im Plasma. Im Ionogramm als grüne Echospur dargestellt, mit ~700 kHz Frequenzversatz zur O-Welle (= halbe Gyrofrequenz). Wird in etwas anderer Höhe als die O-Welle reflektiert. | Grüne Spur im Ionogramm = X-Welle. Für die Berechnung kritischer Frequenzen wird die rote O-Wellen-Spur verwendet. Kap. 4.3.1 |
| yF2 / yE | Halbe Schichtdicke (parabolisch) | Parameter des parabolischen Schichtmodells: gibt die halbe Dicke der jeweiligen Schicht (F2 oder E) an. Je größer yF2, desto mehr Spielraum für die Brechung und desto stabiler die Ausbreitung. | Technischer Ionogramm-Parameter; für die Praxis weniger direkt relevant als foF2 oder MUF. Kap. 4.2.4 |
Modulbezüge im Text: Kap. 1.x = Modul 1 (Atmosphäre/Schichten), Kap. 2.x = Modul 2 (Sonne), Kap. 3.x = Modul 3 (Magnetosphäre), Kap. 4.x = Modul 4 (Ionosonde), Kap. 5.x = Modul 5 (Ausbreitung), Kap. 6.x = Modul 6 (Bänder/Tools)