FreeCAD 1.x: Installation und UI-Tuning

Mahlzeit! Wer im 3D-Bereich konstruiert, kommt an den großen Namen oft nicht vorbei. Aber Hand aufs Herz: Wer hat schon Lust, für eine Software-Lizenz eine Niere zu opfern? Und noch schlimmer ist die grassierende Cloud-Seuche. Ich will meine Konstruktionsdaten nicht auf den Servern dubioser Anbieter wissen, wo ich nur Gastrecht an meinem eigenen geistigen Eigentum habe. Als Verfechter von Open Source und lokaler Datenhoheit führt für mich kein Weg an FreeCAD vorbei.
Lange Zeit galt FreeCAD als das „hässliche Entlein“ – mächtig unter der Haube, aber mit einer Bedienoberfläche, die direkt aus den frühen 90ern weggefangen wurde. Doch mit der Version 1.x (aktuell als 1.1 Weekly Build) hat sich alles geändert. Dank der Einflüsse von Projekten wie Ondsel und massiven Bugfixes (Stichwort: Topological Naming Problem) ist FreeCAD endlich in der CAD-Neuzeit angekommen. Ein echtes Highlight: In 1.x könnt ihr Maße endlich direkt am Cursor eintippen, wie man es von Inventor oder SolidWorks gewohnt ist. In diesem Guide zeige ich euch, wie ihr das Ganze unter Linux sysadmin-konform aufsetzt.

Die saubere Installation unter Linux (Der AppImage-Weg)

Ein gut gemeinter Rat: Vergesst sudo apt install freecad. In den Repositories der meisten Distributionen gammeln uralte Versionen wie die 0.20.2 vor sich hin. Damit gewinnt ihr keinen Blumentopf. Wir greifen direkt zum AppImage.

Der Weg zur Quelle

Das AppImage ist ein Binary, das alles Nötige mitbringt und auf fast jeder Distro läuft. Da Version 1.1 aktuell im „Feature Freeze“ ist, kommen keine neuen Funktionen mehr hinzu – es werden nur noch Bugs gefixt. Das macht es stabil genug für den täglichen Einsatz.

  1. Download: Holt euch das Linux-AppImage von der FreeCAD-Webseite (Weekly Builds). Wählt X86_64 für Standard-CPUs oder AARCH64 für den Raspberry Pi.
    • Side-Note zum Pi: Ja, es läuft. Es ist keine High-End-Workstation, aber für kleine Korrekturen oder einen schnellen Check direkt am Drucker reicht es völlig aus.
  2. Pfad-Management: Schiebt das AppImage in ein Verzeichnis wie ~/FreeCAD oder, falls ihr es systemweit wollt, nach /opt/FreeCAD. Bedenkt: AppImages haben kein Auto-Update. Wenn eine neue Version kommt, müsst ihr die Datei manuell austauschen.
  3. Berechtigungen (GUI): Rechtsklick auf die Datei -> Properties -> Permissions -> „Allow this file to run as program“.
  4. Berechtigungen (Terminal): Wir sind hier unter Linux, also: chmod +x [Dateiname_des_AppImage]
  5. Starten: Doppelklick oder via Konsole.

Das große Facelift: UI-Tuning für Profis

Nach dem Start sieht FreeCAD vielleicht noch etwas überladen aus. Wir hieven die Optik jetzt in die Moderne.

Schritt 1: Das Theme-Update & die BIM-Falle

  • Öffnet den Add-on Manager (Werkzeuge -> Add-on Manager).
  • Sucht und installiert das Paket „Open Theme“.
  • Aktivierung: Bearbeiten -> Einstellungen -> Open Preferences. Wählt dort „Open Dark“ für den professionellen Dark-Mode-Look.
  • WICHTIG: FreeCAD verlangt nun einen Neustart.
  • Die BIM-Falle: Wundert euch nicht – nach diesem Neustart landet FreeCAD oft völlig willkürlich im „BIM“-Arbeitsbereich. Lasst euch nicht verwirren, wenn die Icons plötzlich fremd aussehen. Wir räumen das jetzt auf.

Schritt 2: Arbeitsbereiche (Workbenches) entschlacken

FreeCAD erschlägt einen anfangs mit Funktionen. Wir deaktivieren, was wir nicht brauchen.

  • Geht zu Einstellungen -> Arbeitsbereiche.
  • Deaktiviert alles Unnötige (FEM, BIM, Surface etc.).
  • Legt den Start-Arbeitsbereich fest: Meine Empfehlung ist klar Part Design.
  • Sortiert die Favoriten: Sketcher, Part Design, Part, Draft, Spreadsheet.

Schritt 3: Das perfekte Fenster-Layout

Ein SysAdmin liebt Ordnung. Wir schieben die Dock-Fenster so, dass das Bauteil im Zentrum steht:

  • Aufgaben-Fenster (Tasks): An der Titelleiste packen und ganz nach rechts andocken.
  • Baumansicht (Tree View): Bleibt links und bekommt die volle Höhe.
  • Eigenschaften (Properties): Schiebt dieses Fenster nach rechts unten, direkt unter die Aufgaben.
  • Vorteil: Ihr habt links die Struktur, rechts die Parameter und in der Mitte maximale Sicht auf das Modell.

Schritt 4: Baumstruktur-Optimierung

Damit die Baumansicht dezent bleibt und mehr Information bietet:

  • Aktiviert die „durchsichtige“ Baumstruktur über das Auge-Icon oben links (Floating-Modus).
  • In den erweiterten Einstellungen: Setzt den „Elementhintergrund Innenabstand“ auf 4 und die Schriftgröße auf 8. So passt deutlich mehr in den Baum, ohne dass ihr euch einen Wolf scrollt.

Navigation und Pro-Hardware

Die 3D-Maus (Workflow-Turbo)

Wenn ihr es ernst meint: Besorgt euch eine 3D-Maus (z. B. SpaceNavigator). Es beschleunigt das Konstruieren laut Messungen locker um das Doppelte.

Admin-Check: Bevor ihr den Treiber installiert, prüft mit dmesg | grep -i "3D Connection", ob die Hardware sauber am USB-Bus erkannt wurde. Treiber-Installation: Unter Linux einfach mit sudo apt install spacenavd den Daemon installieren.

Navigation für Einsteiger

Wer (noch) keine 3D-Maus hat, findet unten rechts im Fenster die Navigationsstile.

  • Pro-Tipp: Fahrt mit der Maus einfach über den Button des Navigationsstils. Es erscheint ein Tooltip, der euch exakt erklärt, welche Mauskombination was bewirkt. Das spart das Wälzen von Wikis.

Essentielle Add-ons für den 3D-Druck

Kein Mensch zeichnet M3-Schrauben von Hand.

  • Installiert über den Add-on Manager die Fasteners Workbench.
  • Damit habt ihr sofort Zugriff auf alle gängigen ISO-Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben. Ein Muss für jeden, der funktionale Teile druckt.

Pro-Tipps für den täglichen Workflow

  1. F2 ist dein bester Freund: Benennt eure Elemente im Baum konsequent um! Aus „Pad005“ wird „Gehaeuse_Basis“, aus „Pocket002“ wird „Loch_M3_Senkkopf“. Euer „Zukunfts-Ich“ wird es euch danken, wenn ihr das Projekt nach sechs Monaten wieder anfasst und nicht raten müsst, was was ist.
  2. Röntgenblick: Nutzt den Rechtsklick auf ein Bauteil -> „Transparenz umschalten“. Genial, um zu prüfen, ob Einschmelzmuttern oder interne Kanäle kollisionsfrei geplant sind.
  3. Werkzeugleisten: Macht einen Rechtsklick auf die Leisten und nehmt den Haken bei „Werkzeugleiste sperren“ raus. Schiebt euch die wichtigsten Sketcher-Tools in eine eigene Zeile, damit sie nicht hinter den kleinen Pfeilen am Bildschirmrand verschwinden. Danach wieder sperren!

Fazit: Bereit für das erste Projekt

Glückwunsch, euer FreeCAD sieht jetzt nicht mehr aus wie ein Relikt aus der Computersteinzeit. Die Oberfläche ist aufgeräumt, die on-screen Eingabefelder in 1.1 machen das Arbeiten flüssig, und ihr seid unabhängig von jeder Cloud.

Sollte mal alles schiefgehen und ihr habt die Konfiguration komplett „zerhackt“, wisst ihr als Linuxer ja, wo ihr suchen müsst: Löscht einfach den Ordner ~/.config/FreeCAD, und die Software startet wieder jungfräulich im Werkszustand.

Viel Erfolg beim Konstruieren – Open Source ist kein Kompromiss, sondern die klügere Wahl!