Xiegu X6100 Firmware: Original, R1CBU oder IU1WXY?
Es gibt diese Abende, an denen man nur „kurz mal“ bei YouTube vorbeischauen will. Zwei Stunden später ist der Tee kalt, und der Algorithmus hat einen von Drahtantennen über verregnete SOTA-Gipfel bis zu Lötstationen-Unboxings durchgereicht. An so einem Abend bin ich über ein paar Videos gestolpert, die einen alten Bekannten zeigten: den Xiegu X6100. Den kenne ich gut, denn einer davon gehört mir. Nur die Firmware darauf kannte ich nicht.

Stutzig gemacht hatten mich schon die Vorschaubilder. Dort stand nicht, wie ich es gewohnt war, R1CBU. Dort stand IU1WXY. Ein italienisches Rufzeichen statt eines russischen? Das macht neugierig.
Grund genug, genauer hinzuschauen. In diesem Artikel vergleichen wir die drei Firmwares, die es für den X6100 gibt: die Originalfirmware von Xiegu, die bewährte „Russen-Firmware“ R1CBU und den italienischen Neuling IU1WXY.
Zuerst klären wir, wer die drei Kandidaten sind, und sehen uns an, wie der X6100 unter der Haube aufgebaut ist und warum du so gefahrlos Firmware tauschen kannst. Danach nehmen wir jede Firmware einzeln auseinander, schauen uns den Baseband-Patch für Fortgeschrittene an und stellen alles in einer großen Tabelle gegenüber. Dort beantworte ich auch die Frage, ob ich meine russische Karte gegen die italienische tausche. Oder ob im Geldbeutel einfach Platz für eine zweite microSD-Karte ist. Zum Schluss kommt die Praxis: Installation, Updates, Backups, Fehlersuche und der Weg zurück.
1. Russe trifft Italiener: die drei Kandidaten
Bevor es technisch wird, stelle ich die beiden Herausforderer vor. Die Werksfirmware von Xiegu kennt jeder X6100-Besitzer ohnehin; um sie kümmern wir uns in Kapitel 3.

Auf meinem X6100 läuft die „Russen-Firmware“. So wird in der Szene gern die alternative Firmware genannt, die Oleg Belousov R1CBU begonnen hat und die heute vor allem Georgy Dyuldin R2RFE weiterentwickelt. Beide Rufzeichen kommen aus Russland, daher der Spitzname. Die Firmware startet von der microSD-Karte, lässt den internen Speicher in Ruhe und hat dem X6100 etwas beigebracht, das Xiegu ihm nie spendiert hat: FT8 direkt im Gerät, ohne Laptop, USB-Kabel und das übliche Kabelgewirr im Rucksack. Dafür bin ich ihr bis heute dankbar.
Die Videos zeigten dann schnell, dass IU1WXY eine neue Firmware ist. Sie basiert auf der R1CBU-Oberfläche, sieht aber ganz anders aus: verschiedene Themes, ein S-Meter mit Zeiger und hinterleuchteter Skala, DX-Cluster-Spots direkt im Wasserfall. Für meinen Geschmack ist das optisch deutlich ansprechender als das, was ich bisher kannte. Nach etwas Recherche zeigte sich auch, dass unter der hübschen Haube einiges mehr steckt:
- Digitalmodi von FT8 über JS8 und WSPR bis SSTV
- ein eigener Modus für SOTA- und POTA-Aktivierungen
- eine Android-App, mit der sich das Funkgerät vom Handy aus bedienen lässt
Dazu kommt ein CW-Decoder, der laut Autor bis etwa 0 dB SNR mitlesen soll, und Morsen per Tastatur. Für jemanden wie mich, der (noch) kein CW kann, klingt das verdächtig nach Abkürzung. Ob das als Schummeln zählt, klären wir ein andermal.
Bemerkenswert ist auch das Alter des Projekts. Die früheste Version, die ich finden konnte, ist v0.114 vom 11. Oktober 2026. Das Projekt existiert also erst seit Anfang bis Mitte Oktober. Bis zum 17. Oktober kamen 14 Versionen heraus, teils mehrere an einem Tag, und am 19. Oktober folgte bereits v0.128. Für so ein Tempo gibt es eigentlich nur drei Erklärungen:
- Giovanni Ricciardi IU1WXY hat einen Zwillingsbruder, der nachts weiterprogrammiert.
- Sein Kaffeekonsum lässt meinen wie Abstinenz aussehen.
- Mit am Schreibtisch sitzt ein KI-Assistent.
Ich tippe auf Nummer drei. Beweisen kann ich es nicht, und der Autor selbst sagt dazu nichts. Schlecht sein muss das aber nicht. Wie KI-gestützte Software aussehen kann, habe ich mir schon in meinen Artikeln Photoshop- und Lightroom-Klone für Linux und Macht KI Software zur Wegwerfware? angeschaut. Die Frage ist also weniger, wer den Code schreibt, sondern ob er auf dem Gipfel funktioniert, wenn die Mücken kreisen.
1.1 Die drei Kandidaten im Steckbrief
Hier die Eckdaten, Stand 19. Oktober 2026. Den ausführlichen Funktionsvergleich findest du in Kapitel 7.
| Kategorie | Xiegu Original | R1CBU (OpenX6100) | IU1WXY (X6100 Link) |
|---|---|---|---|
| Aktuelle Version | APP V1.2.0 / BASE V1.1.9 | v1.0.2 | v0.128 |
| Release-Datum | 13.12.2025 | 02.10.2026 | 19.10.2026 |
| Hauptentwickler | Xiegu | Oleg Belousov R1CBU, heute vor allem Georgy Dyuldin R2RFE | Giovanni Ricciardi IU1WXY |
| Basis | proprietäre Software auf Linux | eigene LVGL-Oberfläche | stark umgeschriebener Fork der R1CBU-GUI |
| Lizenz | geschlossen | offen (GUI LGPL-2.1, Image wegen JS8 GPL-3.0) | widersprüchlich, siehe 5.1 |
| Installationsort | interner Speicher | microSD-Karte | microSD-Karte, ab v0.127 zusätzlich Updates über WLAN |
| Reifegrad | stabil, letztes Update Dezember 2025 | ausgereift, seit Jahren in Gebrauch | ausdrücklich Beta, App im Beta-/Early-Access-Stadium |
| Internes FT8 | nein | ja | ja |
| Ausrichtung | Grundfunktionen nach Werksnorm | verlässliches Arbeitspferd | „Alles, was geht, direkt in der Kiste“ |
2. Ein Blick unter die Haube
Bevor wir Firmwares vergleichen, lohnt sich ein Blick ins Innere. Wir schauen uns an, warum der X6100 eigentlich zwei Computer ist, warum ein Firmware-Tausch so harmlos ist und welche Rolle Linux und seine Lizenz dabei spielen.

2.1 Das Zwei-Gehirne-Prinzip
Der X6100 besteht aus zwei getrennten Rechnern, die über eine interne Schnittstelle miteinander reden. Xiegu unterscheidet sie in den Versionsnummern als „APP“ und „BASE“.
Das APP-Gehirn ist der Schöngeist. Hier arbeitet ein Allwinner R16 mit Linux (Gerätebaum sun8i-r16-x6100, siehe die Armbian-Portierung). Laut linux-sunxi ist der R16 nur ein anderer Name für den A33; derselbe Chip steckt zum Beispiel auch im NES Classic Mini. Er zeichnet Display, Spektrum und Wasserfall, verwaltet Menüs, WLAN und Bluetooth und rechnet bei den alternativen Firmwares die Decoder für FT8, JS8 oder SSTV. Genau diesen Rechner übernehmen wir mit der microSD-Karte.

Das BASE-Gehirn ist der stille Handwerker im Keller. Ein STM32F427-Mikrocontroller erledigt die eigentliche Signalverarbeitung: digitale Filter, AGC, ALC, Sendeaufbereitung, SWR- und Akkumessung. Was genau in seinen Registern passiert, überlasse ich gern Leuten mit mehr Geduld als ich. Für uns zählt nur eins: Wer R1CBU oder IU1WXY von der Karte startet, tauscht nur die APP-Seite aus. Das Baseband arbeitet mit dem Xiegu-Code weiter, es sei denn, du spielst den Patch von R2RFE ein (Kapitel 6). Dass die beiden Seiten über I2C kommunizieren, geht aus den IU1WXY-Release-Notes zu v0.126 hervor.
2.2 Warum der Firmware-Tausch so harmlos ist
Jeder kennt den kalten Schweiß, wenn beim Flashen eines teuren Transceivers der Balken bei 99 % stehen bleibt. Beim X6100 bleibt dir das bei den alternativen Firmwares erspart, denn sie starten von der microSD-Karte.

Mit Karte lädt der Transceiver Betriebssystem und Oberfläche von der microSD. Einstellungen, Logbücher und Screenshots landen auf der DATA-Partition der Karte. Ohne Karte startet das Original-Xiegu-System, als wäre nichts gewesen. Das R1CBU-Wiki und die IU1WXY-Installationsanleitung bestätigen beide, dass der interne Speicher nicht angetastet wird.
Als gelernter Zimmermann denke ich dabei an ein Gerüst: Du stellst es vor die Hauswand, turnst darauf herum, und wenn du es wieder abbaust, steht das Haus genauso da wie vorher. Für Angsthasen heißt das: Du kannst die wildesten Beta-Versionen ausprobieren. Friert das System ein, gilt die einfachste Regel des ganzen Artikels: Karte raus, Werksfirmware da.
Die einzige Ausnahme ist der optionale Baseband-Patch, der tatsächlich in den Baseband-Prozessor geflasht wird. Um den kümmern wir uns in Kapitel 6.
2.3 Linux, die GPL und ein Hersteller mit Gedächtnislücken
Dass Xiegu ein Linux auf die APP-Seite gepackt hat, war für die Funkamateurwelt ein Segen. Ein geschlossenes Mikrocontroller-System hätte man ohne Herstellerhilfe kaum mit FT8 oder einem Webserver ausstatten können. Linux dagegen rief sofort die Bastler auf den Plan: „Da läuft Linux drauf? Halt mal mein Bier.“
Der Haken: Wer einen Linux-Kernel in ein Produkt einbaut, muss den Quellcode unter der GPL herausgeben. Xiegu nimmt diese Pflicht, sagen wir, sehr entspannt. Der Entwickler jcyfkimi hält in seinem Analyse-Repository X6100_Study fest, dass Xiegu den Code nicht ordnungsgemäß veröffentlicht, und hat stattdessen die Update-Images des Herstellers zerlegt. Die alternativen Firmwares mussten deshalb manches selbst erarbeiten, etwa die Ansteuerung von Display, Tasten und Drehgebern (Umfang nicht verifiziert).
Damit kennen wir das Fundament. Schauen wir uns an, was Xiegu selbst darauf gebaut hat.
3. Die Xiegu X6100 Firmware ab Werk
Wir beginnen beim Werkszustand: was die aktuelle Version kann, wie es dahin kam und wo die Werksfirmware an ihre Grenzen stößt.

3.1 Versionsstand und Historie
Xiegu pflegt bei Updates eine Haltung, die man als stoische Gelassenheit mit langen Denkpausen beschreiben könnte. Aktuell ist das Paket x6100udimg-251213001.zip (Ankündigung bei Xiegu.eu):
- APP V1.2.0 vom 13.12.2025
- BASE V1.1.9 vom 28.11.2025
V1.2.0 brachte eine überarbeitete WLAN-Seite mit Hilfetexten, eine neu abgestimmte AGC (die Menüpunkte heißen jetzt AGC SLOW und AGC FAST, die Werte sind Zeitkonstanten in Millisekunden) und einen Cursor-Modus im Spektrum zum Anfahren von Signalen. Nach dem Update ist ein Werksreset Pflicht. Wer ihn vergisst, bekommt falsche Banddaten, Bandwechsel funktionieren nicht mehr und die Frequenzanzeige steht auf 0.
Die Historie davor war eine kleine Achterbahnfahrt (nachzulesen bei Radioddity und updatemystuff.com):
- Ende 2021: erste V1.1.x-Versionen; im Dezember 2021 kamen WLAN und Bluetooth dazu.
- 2023: V1.1.7, bei Radioddity später als Ausgabe mit dem Vermerk „[fixed CAT]“ nachgereicht.
- September 2024: V1.1.8 sollte das Signal-Rausch-Verhältnis verbessern und Birdies sowie Rundfunk-Übersprechen reduzieren. Bei manchen Geräten kam danach keine Sendeleistung mehr; die Version wurde auf Wunsch von Xiegu zurückgezogen.
- September 2024: V1.1.9 mit BASE V1.1.8 behob den Leistungsausfall und ersetzte die rote, schlecht lesbare Schrift durch weiße.
- Dezember 2025: V1.2.0 (siehe oben).
Seitdem herrscht Funkstille, für einen Funkgerätehersteller eine fast schon poetische Pointe. Xiegu hat mit dem X6200 längst einen Nachfolger am Markt.
3.2 Was ab Werk drin ist
Für den klassischen Betrieb mit Handmikrofon oder Morsetaste liefert Xiegu ein solides Fundament:
- Betriebsarten SSB, CW, AM, FM und RTTY
- Spektrum und Wasserfall, SWR-Scan
- Sprach- und CW-Speicher, Empfangsaufnahme
- USB-Soundkarte und CAT über USB, WLAN und Bluetooth
- Netzwerkanbindung an wfview, mit offizieller Anleitung (siehe Xiegu-Downloads)
Dazu kommen Decoder für CW, RTTY und PSK, die sich eher verstecken als präsentieren. Das Buch „Radio Today Guide to the Xiegu X6100“ von ZL3DW nennt sie ausdrücklich undokumentierte Funktionen. Begeisterung lösen sie nicht aus: Der französische Händler Passion Radio nennt sie höflich „un peu capricieux“, ein Nutzer im ClockworkPi-Forum schreibt, der CW-Decoder funktioniere meistens nicht. Ich hätte es als CW-Analphabet ohnehin nicht beurteilen können.
3.3 Wo die Werksfirmware an ihre Grenzen stößt
Kein FT8 ohne Rechner
Der größte Nachteil: Es gibt kein FT8-Programm im Gerät. Für FT8, FT4 oder JS8 muss der X6100 per USB an einen Rechner mit WSJT-X; das Funkgerät ist dann nur Soundkarte und CAT-Schnittstelle. Im Shack ist das in Ordnung. Wer aber bei SOTA im Regen auf dem Gipfel steht, will kein Notebook auspacken, schon gar nicht, während die Mücken kreisen.
CAT-Probleme
CAT hatte über mehrere Versionen hinweg Probleme. Radioddity hat für eine Version bestätigt, dass Xiegu CAT darin deaktiviert hatte und eigene Steuerregeln veröffentlichen wollte. Für V1.1.7 gab es die erwähnte Ausgabe „[fixed CAT]“. Mein Tipp: Prüf nach jedem Xiegu-Update zuerst, ob WSJT-X das Gerät noch steuern kann, bevor du den Fehler eine Stunde lang bei dir selbst suchst.
Zweistufiges Update
Ein Online-Update gibt es nicht. Zuerst erstellst du am PC eine Update-Karte, von der das Gerät das Linux-System neu schreibt. Danach flasht du über System Setting → Firmware Upgrade das Baseband, was etwa 20 Sekunden dauert. Für den zweiten Schritt muss das Gerät an externen 13,8 V hängen; ohne Netzteil schaltet es sich laut Erfahrungsbericht beim Baseband-Update einfach ab.
Unterm Strich ist die Werksfirmware ein braves Funkgerät mit Laptop-Pflicht für alles Digitale. Wie man ihr das abgewöhnt, zeigt das nächste Kapitel.
4. Die „Russen-Firmware“: R1CBU / OpenX6100
Jetzt wird es spannend, zumindest für mich, denn diese Firmware läuft auf meinem eigenen X6100. Wir schauen uns an, woher sie kommt, warum FT8 im Gerät so viel ändert und wie sich die Bedienung anfühlt.

4.1 Projektgeschichte
Die Wurzeln liegen bei Oleg Belousov R1CBU, der auf GitHub als strijar eine eigene Oberfläche auf Basis der Grafikbibliothek LVGL begann. Die GUI steht unter LGPL-2.1. Weil die JS8-Engine im Standard-Build steckt, ist das fertige SD-Image insgesamt GPL-3.0.
Juristisch noch sympathischer ist die „Beerware“-Klausel im R1CBU-Wiki: Es gibt keinerlei Garantie, und wenn die Software bei dir funktioniert und du dem Entwickler begegnest, gibst du ihm ein Bier aus. Ich würde ja eher einen Whisky spendieren, aber Lizenz ist Lizenz. Erfrischend im Vergleich zu 500-seitigen Haftungsausschlüssen ist es allemal.
Heute treibt vor allem Georgy Dyuldin R2RFE das Projekt voran, zuerst in seinem Fork gdyuldin/x6100_gui, inzwischen unter der Organisation OpenX6100/x6100_gui. Der Name „R1CBU-Firmware“ hat sich trotzdem gehalten. Das Repository hat knapp 1.000 Commits, rund 160 Sterne und 30 Forks (Stand Oktober 2026). Beiträge kommen unter anderem von DL2ZW (Themes, Farbwähler), BG7NZL (FT8) und SP2KMO (PSK, Olivia, FT2). Daneben gibt es eigenständige Forks, etwa von KR8MER mit einem „Lightning“-Theme oder von randal007, auf dessen JS8-Arbeit IU1WXY aufbaut. Die Releases werden automatisch gebaut und erschienen 2026 ungefähr monatlich.
Meilensteine 2026:
- v0.33.x (März/April): Korrekturen bei FT8 (Scrollen, Nicht-Standard-Rufzeichen), CAT und Zoom.
- v0.34.0 (13.06.): CESSB, VOX und CW-Peak-Filter (mit Baseband-Patch r12), FT8-Verbesserungen, WPM-Anzeige im CW-Decoder und „CW Zap“, das den VFO auf eine erkannte CW-Station setzt.
- v1.0.0 (30.09., Vorabversion): neue Oberfläche, wfview mit Spektrum, Wasserfall und Audio über WLAN/Ethernet, neuer CW-Decoder mit kohärentem Tracker, Bluetooth-RFCOMM, Audiopfad auf 48 kHz umgestellt. Der Entwickler riet, diese Version auf einer separaten Karte zu testen.
- v1.0.1 und v1.0.2 (30.09. und 02.10.): Korrekturen für wfview-Audio, Frequenzanzeige unter 1 MHz und Bandwechsel über wfview (außer 6 m).
Wegen der Umstellung von 44,1 auf 48 kHz können alte Sprachspeicher-Aufnahmen mit Aussetzern abspielen. Abhilfe: neu einsprechen oder mit Audacity umrechnen.
4.2 FT8 und FT4 ohne Notebook
Das ist die Funktion, wegen der die meisten zur microSD-Karte greifen dürften, mich eingeschlossen: FT8 und FT4 laufen direkt im Transceiver.

- Automatische QSO-Abfolge: Die Firmware dekodiert im FT8-Takt und arbeitet ein QSO nach Auswahl einer Station selbstständig ab.
- ADIF-Logbuch: Jedes QSO landet in
ft_log.adiauf derDATA-Partition. Zu Hause kopierst du die Datei und lädst sie zu QRZ.com, LoTW oder eQSL hoch. - Bereits gearbeitete Stationen: Legst du dein bestehendes Log als
incoming_log.adiauf die Karte, wird es beim nächsten Start importiert, und schon gearbeitete Rufzeichen werden in der Oberfläche markiert.
Daneben gibt es die JS8-Engine aus dem Projekt JS8Call-improved, CW- und RTTY-Decoder (CW mit WPM-Anzeige) sowie für den Betrieb am Rechner CAT über USB, Bluetooth-RFCOMM (ab v1.0.0) und wfview über das Netzwerk.
4.3 Bedienung und Webserver
Die Bedienung folgt grob dem Original, ist aber auf die beiden Drehgeber VOL und MFK zugeschnitten (Wiki: Controls). Beide haben einen Auswahl- und einen Bearbeitungsmodus, ein Druck auf den Geber schaltet um. Auf VOL liegen standardmäßig Lautstärke, HF-Verstärkung, untere und obere Filterkante, Sendeleistung und Mikrofonverstärkung, auf MFK der Minimalpegel von Spektrum und Wasserfall. Die wichtigsten Werte liegen so direkt unter den Fingern.
Kleine, aber praktische Abweichungen: Ein kurzer Druck auf SSB wechselt zwischen USB und LSB, ein langer Druck schaltet zwischen Sprach- und Datenmodus (USB-D/LSB-D).
Ab v1.0.0 wurde die Oberfläche deutlich modernisiert: größere Frequenzanzeige, Anzeige der Hintergrund-VFO-Frequenz, Markierung der aktiven Abstimmstelle, eine Indikatorzeile (PRE/ATT, NR/NB/DNF, RIT/XIT), einstellbare Höhe von Spektrum und Wasserfall, die Themes Simple, Black und Flat (von DL2ZW) und eine invertierte Darstellung für pralle Sonne. Wer schnell von 7 auf 14 MHz kurbeln will, freut sich über die exponentielle Beschleunigung des Hauptgebers.
Seit v0.28.0 hat die Firmware einen eingebauten Webserver unter http://x6100/ oder der IP-Adresse des Geräts. Dort legst du Bänder an, änderst oder schaltest sie ab, pflegst FT8/FT4-Frequenzen und lädst Dateien herunter (ADIF-Log, Screenshots, Aufnahmen).
R1CBU macht aus dem X6100 also ein eigenständiges FT8-Gerät, ohne viel Brimborium. Wer mehr Brimborium möchte, ist im nächsten Kapitel richtig.
5. Der italienische Neuling: IU1WXY / X6100 Link
Wenn Xiegu ein unaufgeregtes Fahrrad gebaut hat und die OpenX6100-Community daraus ein solides E-Bike, dann hat Giovanni Ricciardi IU1WXY ihm einen Raketenantrieb mit Espressomaschine verpasst. Wir sehen uns an, wer dahintersteckt, was die Firmware an Digitalmodi, Cluster und Feldbetrieb mitbringt, was die App kann und wohin welche Daten fließen.

5.1 Entwicklung, Lizenz und Kosten
IU1WXY hat die R1CBU-GUI von R2RFE übernommen und nach eigener Aussage tief umgeschrieben (README auf GitHub). Dazu kommen Decoder aus 1KO125 von Hany El Imam/TheMurusTeam (WeFax, NAVTEX, SSTV), JS8 von randal007 auf Basis der JS8Call-Engine und wsprd aus WSJT-X.
Beim Lesen der Release-Notes habe ich mehrmals aufs Datum geschaut, weil ich dachte, ich hätte mich verlesen. Zwischen dem 11. und 17. Oktober 2026 erschienen 14 Releases (v0.114 bis v0.127), am 19. Oktober folgte v0.128. Mit v0.127 hat IU1WXY große Teile neu geschrieben, darunter WeFax, NAVTEX, SSTV, den CW-Decoder, die komplette JS8-App (rund 7.500 Zeilen), den Webserver und die Oberfläche. Er betont selbst, dass alles Beta ist, und rät, das Senden über die App zuerst an einer Dummy-Load zu testen. Bei diesem Tempo ist auch dieser Artikel schnell überholt; wirf deshalb vor dem Ausprobieren einen Blick auf die Versionsseite von IU1WXY.
Offener Punkt: die Lizenz. Hier widersprechen sich die Quellen des Autors selbst. Die README auf GitHub nennt LGPL-2.1 für die Oberfläche und GPL-3.0 für das fertige Image, also freie Software, die du verändern und weitergeben darfst. Die Projektseite x6100-link.it nennt die Firmware dagegen proprietär: frei nutzbar auf dem eigenen X6100, aber nicht zum Weiterverkauf und nicht zur Veränderung. Das passt nicht zusammen, zumal die Firmware auf freiem Code von R1CBU, JS8Call und WSJT-X aufbaut, dessen Lizenzen ein Veränderungsverbot nicht vorsehen. Klären kann das nur der Autor selbst.
Zu den Kosten: Die Firmware ist kostenlos, zum Download brauchst du ein (kostenloses) Konto auf x6100-link.it. Die Android-App X6100 Link ist kostenpflichtig. Laut Projektseite soll sie „zu einem kleinen Preis“ in den Play Store kommen, sobald Google die Prüfung abgeschlossen hat. Bis dahin gibt es Early Access über das Beta-Programm, bei dem du die Lizenz bereits kaufen kannst. Die App funktioniert nur mit der IU1WXY-Firmware, nicht mit der von Xiegu.
5.2 Digitalmodi im Gerät
Hier spielt IU1WXY in einer eigenen Liga. Alles läuft im Gerät, ohne PC.
FT8, FT4 und FT2 kommen mit automatischer QSO-Abfolge, Länderflagge, Entfernungsangabe und Live-Karte. Stationen, die dich direkt rufen, landen in einem fixierten „For you“-Streifen. POTA-Aktivierer werden im Auto-Modus bevorzugt beantwortet, und für Fox/Hound-DXpeditionen gibt es einen Hound-Modus (ohne SuperFox). Decodes gehen auf Wunsch per UDP an GridTracker oder JTAlert. In den Digital-Apps wird die Sendeleistung auf 7 W begrenzt und danach wieder auf den eingestellten Wert gesetzt. Einen Grund nennen die Release-Notes nicht, Schonung der Endstufe liegt nahe.
JS8 ist kompatibel zu JS8Call, dekodiert alle vier Geschwindigkeiten gleichzeitig und hat Inbox, Relais, Heartbeats und APRS (Position, Spots, SMS, E-Mail).
WSPR dekodiert jeden Zyklus, sendet auf Wunsch als Bake und lädt Empfangsergebnisse zu WSPRnet hoch.
SSTV empfängt und sendet (Martin, Scottie, Robot) mit Textvorlagen; ein Entrauschfilter säubert Empfangsbilder. Dazu WeFax, NAVTEX und DSC-Empfang. Für den gelegentlichen Blick auf Wetterkarten und Seefunkmeldungen reicht das allemal, auch wenn das Vogtland nicht gerade für seine Küstenlinie bekannt ist.
RTTY gibt es mit Abstimmanzeige in Form gekreuzter Ellipsen, dazu PSK31/63, Olivia (8/250, 16/500, 32/1000) und JTTY aus WSJT-X 3.2. Der CW-Decoder erkennt Rufzeichen und Rapporte; gesendet wird auf Wunsch über eine USB- oder Bluetooth-Tastatur.
Decodes gehen standardmäßig an PSK Reporter. Das lässt sich abschalten, und der Locator wird nur vierstellig übertragen.
5.3 DX-Cluster und „Spot Snap“
Ist der X6100 per WLAN online, holt er sich DX-Cluster-Spots; zehn öffentliche Server sind eingetragen, eigene lassen sich ergänzen. Die Rufzeichen erscheinen direkt im Wasserfall an ihrer Frequenz, in einer Spalte daneben und in einer eigenen Cluster-App mit Filtern und Alarmen für Rufzeichen und Präfixe.
Drehst du langsam am VFO an einem Spot vorbei, bleibt die Frequenz dort kurz kleben, als hätte jemand einen Magneten in den Drehknopf gebaut. Seit v0.125 ist dieses „Spot Snap“ in CW abgeschaltet, weil der Knopf in vollen CW-Segmenten ständig hängen blieb.
5.4 Field Ops und Bands für den Feldbetrieb
Für Aktivierungen gibt es eine eigene Oberfläche mit großen Kacheln, die sich auch mit Handschuhen bedienen lässt. Unterstützt werden SOTA, POTA, WWBOTA und HOTA, ab v0.128 auch WWFF.
- Die weltweiten Referenzlisten (rund 35 MB) werden einmal per WLAN geladen und funktionieren danach offline.
- Die Position kommt vom GPS am Gerät, vom Handy über die App oder aus dem QTH-Locator.
- Beim Start einer POTA-Aktivierung spottet sich das Gerät selbst auf pota.app, nach einem Frequenzwechsel erneut, sobald du dort gesendet hast. WWBOTA und HOTA spotten auf wwbota.org und cqhota.app.
- QSOs landen als ADIF mit den passenden Referenzfeldern (
MY_SOTA_REF,MY_POTA_REF) im Log. - Ein Upload ins QRZ-Logbuch direkt vom Gerät ist experimentell und braucht einen API-Schlüssel, den QRZ.com nur mit einem bezahlten Abo herausgibt.
Dazu kommt die App „Bands“: Sie zeigt die Aktivität von 160 bis 6 m aus Cluster- und Reverse-Beacon-Network-Daten. Mit „Test beacon“ sendet das Gerät TEST DE <call> in CW und zeigt nach etwa einer Minute, welche RBN-Skimmer dich gehört haben. Ein ehrlicherer Antennentest ist kaum denkbar: Da kann keine Ausrede mehr helfen.
5.5 Die Android-App „X6100 Link“
Die App verbindet sich über WLAN mit dem Funkgerät, am einfachsten über den Hotspot des Handys.
- Eigene Ansicht von Spektrum und Wasserfall mit Abstimmen per Tippen und Zoomen, RX-Audio auf dem Handy, alle Bedienelemente wie Frequenz, Mode, Filter, NB, NR, AGC.
- Alle Digitalmodi mit Senden: Das Gerät dekodiert und sendet, das Handy ist Bildschirm und Tastatur. SSTV-Bilder kommen aus der Galerie oder direkt von der Kamera.
- Logbuch mit QRZ.com-Abfrage beim Eintippen: Name, QTH, Locator, Land, Entfernung und Foto.
- SOTA/POTA-Seite, die automatisch erscheint, wenn das Gerät in Field Ops wechselt; das GPS des Handys liefert dem Gerät die Position.
Ob du über das Handymikrofon auch in SSB sprechen kannst, ist auf der App-Seite nicht erwähnt (nicht verifiziert). Und weil sich WLAN und Bluetooth im X6100 einen Chip teilen, gibt es beim gleichzeitigen Betrieb von App und Bluetooth-Kopfhörern ein paar Haken; mehr dazu in 9.2.
5.6 Webserver, Fernsteuerung und Datenschutz
Im Browser unter http://<IP-Adresse>/ (auch HTTPS) gibt es eine Remote-Seite mit Spektrum, Wasserfall und RX-Audio, auf der du abstimmen, aber nicht senden kannst. Weitere Seiten verwalten Bänder, Speicher, Cluster und Backup und bieten eine Galerie für Screenshots, Aufnahmen und SSTV-Bilder. Am PC meldet sich das Gerät bei wfview als IC-705; CAT geht über USB und Bluetooth für bis zu drei Clients. Wie Updates ohne SD-Karte funktionieren, steht in 8.2.
Zum Datenschutz sagt die README: Die Firmware schickt keine Daten an den Autor. Externe Dienste werden nur kontaktiert, wenn du die Funktion nutzt (pota.app, sota.org.uk, QRZ, WSPRnet, Cluster, RBN). Ausnahmen, die du kennen solltest: Firmware und App fragen bei x6100-link.it nach Updates, PSK Reporter ist ab Werk eingeschaltet, und die Diagnosefunktion schickt auf Knopfdruck einen Bericht an den Autor (Details in 9.3).
IU1WXY ist damit das Schweizer Taschenmesser unter den X6100-Firmwares, mit allen Klingen, die dazugehören. Manche davon sind noch frisch geschliffen. Für ein paar davon braucht es allerdings Hilfe aus dem zweiten Gehirn, und darum geht es im nächsten Kapitel.
6. Für Fortgeschrittene: der Baseband-Patch von R2RFE
Bisher haben wir nur das APP-Gehirn umgebaut. Jetzt geht es an den stillen Handwerker im Keller. Wir schauen, was der Patch kann, wie er draufkommt, was danach zu tun ist und wie du ihn wieder loswirst. Ein Hinweis vorweg: Hier hört der Spaß mit „Karte raus, Werksfirmware da“ auf.

6.1 Was der Patch kann
Die alternativen Firmwares ersetzen nur die Oberfläche. Fordert diese vom Baseband eine Funktion an, die der Xiegu-Code nicht kennt, etwa CESSB oder VOX, passiert nichts. Georgy Dyuldin R2RFE hat deshalb die Baseband-Firmware erweitert. Der Patch funktioniert laut Entwickler sowohl mit der Original-Oberfläche als auch mit den alternativen Firmwares. IU1WXY empfiehlt Version r13.
Was der Patch über die Versionen r1 bis r13 mitbringt (laut Changelog und Releases):
- Kompressor mit Noise Gate für SSB, korrigiertes AM-Senden, echte Leistungsregelung (r1).
- FM-Squelch, adaptives Notch-Filter, IF-Shift, besserer Zoom, FM-Pre-/De-Emphasis (r2 bis r8).
- IQ-Abgleich im Empfang gegen Brummen und Verzerrungen bei AM (r6).
- Neue Rauschunterdrückung nach dem Verfahren der spektralen Übersubtraktion (r10), Noise Blanker (r11).
- CESSB, VOX und ein CW-Peak-Filter mit einstellbarer Güte (r12, 10.06.2026). KI9NG hat für CESSB im empfohlenen Setting etwa 3,7 dB mehr mittlere Leistung gemessen.
- Genauere Akku-Prozentanzeige auf Basis einer gemessenen Entladekurve (r13, 30.09.2026).
Zwei Dinge, die gern durcheinandergehen: „CW Zap“ (Einrasten auf eine CW-Station) ist eine Funktion der R1CBU-Oberfläche, nicht des Patches. Und eine Restlaufzeit-Anzeige bietet IU1WXY erst ab v0.128; dass sie den Patch voraussetzt, steht in den Release-Notes nicht.
6.2 Installation
Hier wird wirklich interner Speicher geflasht. Das Gerät muss an einer externen 13,8-V-Versorgung hängen. Wer jetzt noch schnell den Akku leerfunken will, weil das Netzteil im Keller liegt: bitte nicht.
- microSD-Karte entfernen und den X6100 mit der Originalfirmware starten.
- Im Menü WLAN einschalten, mit dem Heimnetz verbinden und die IP-Adresse notieren.
- Die
.xgf-Datei aus den Releases des Patches per WinSCP oder FileZilla nach/usr/firmwareauf dem Gerät kopieren. Benutzername und Passwort nennt die Anleitung nicht; sie verweist auf ein Video, in dem derselbe Zugang zum Freischalten von TX erklärt wird. - Externe 13,8-V-Versorgung anschließen.
- Im Menü System Setting → Firmware Upgrade die Datei auswählen und flashen. Danach steht in der Systeminfo eine BASE-Version mit „r“-Suffix.
6.3 Nacharbeiten: TX-Kalibrierung
Nach dem Patch kann eine Kalibrierung der Sendepegel nötig sein. Der Entwickler beschreibt sie so: „TX codec gain“ so einstellen, dass 10 W herauskommen, dann pro Band mit „Band output gain corr“ nachkorrigieren, falls die Leistung zu gering oder die ALC zu hoch ist. Bei IU1WXY liegen diese Werte unter Settings → TX Cal.
6.4 Garantie und Rückweg
Ob Xiegu oder ein Händler nach dem Patch noch Garantie leistet, ist nirgends geregelt. Bei einem Hardwaredefekt bist du vermutlich auf Kulanz angewiesen.
Einen Deinstallieren-Knopf gibt es nicht, aber einen Rückweg. Der Patch bleibt auch ohne SD-Karte aktiv, stört die Original-Oberfläche aber nicht. Willst du trotzdem zurück zum Xiegu-Baseband, flashst du genauso wie bei der Installation über System Setting → Firmware Upgrade eine originale BASE-Version, zum Beispiel aus dem Paket x6100udimg-251213001.zip, wieder mit externen 13,8 V. Dass das funktioniert, bestätigt der Entwickler in den Notizen zu r10.
7. Vergleich und Entscheidungshilfe
Genug Einzelporträts. Jetzt legen wir die drei nebeneinander: erst als große Tabelle, dann mit Stärken und Schwächen im Alltag und zum Schluss als Entscheidungshilfe.

7.1 Feature-Matrix
| Funktion | Xiegu V1.2.0 | R1CBU v1.0.2 | IU1WXY v0.128 |
|---|---|---|---|
| FT8 / FT4 im Gerät | nein (nur über PC) | ja | ja, dazu FT2 |
| JS8 im Gerät | nein | ja (im Standard-Build) | ja, mit APRS |
| WSPR | nein | nicht gefunden | ja, mit WSPRnet-Upload |
| CW-Decoder | ja, wenig zuverlässig | ja, ab v1.0.0 neu, mit WPM | ja, eigene Neufassung |
| CW per Tastatur | nein | nicht gefunden | ja |
| RTTY-Decoder | ja | ja | ja, mit Abstimmanzeige |
| PSK31/63 | Decoder | Upstream-Arbeit von SP2KMO, Release-Stand unklar | RX und TX |
| Olivia, JTTY | nein | nein | ja |
| SSTV, WeFax, NAVTEX, DSC | nein | nein | ja (SSTV auch TX) |
| ADIF-Log | nein | FT8/FT4 | alle Betriebsarten, Tageslog |
| DX-Cluster | nein | nein | ja, im Wasserfall |
| SOTA/POTA-Modul | nein | nein | ja (Field Ops) |
| PSK Reporter | nur über PC | nicht gefunden | ja, ab Werk an |
| CAT über USB | ja, mit Vorgeschichte | ja | ja |
| CAT über Bluetooth | nein | RFCOMM ab v1.0.0 | ja, bis 3 Clients |
| wfview | ja (offizielle Anleitung) | ja, mit Audio und Wasserfall | ja, als IC-705 |
| Webserver | nein | Bänder, FT8-Frequenzen, Dateien | Remote (nur RX), Backup, Galerie |
| Smartphone-App | nein | nein | X6100 Link (Android, kostenpflichtig) |
| Bluetooth-Kopfhörer | Händler werben mit drahtlosem Audio | nicht gefunden | ja |
| Themes | nein | Simple, Black, Flat, Invertierung | elf, eigene möglich |
| CESSB, VOX, CW-Peak | nein | ja, mit Baseband-Patch | ja, Baseband r13 empfohlen |
| SWR-Schutz einstellbar | nein | nicht gefunden | ja, Standard 2,0 |
| Update ohne SD-Karte | nein | nein | experimentell ab v0.127 |
„Nicht gefunden“ heißt: In README, Wiki und den gelesenen Release-Notes steht nichts dazu. Die Funktion kann trotzdem existieren.
7.2 Stärken und Schwächen im Alltag
Die Originalfirmware tut ihren Dienst, solange der X6100 per USB an einem Rechner mit WSJT-X hängt. Ohne Notebook bleibt sie bei den Digitalmodi stumm, die Decoder taugen wenig, Updates kommen selten, und wenn sie kommen, haben sie in der Vergangenheit schon mal CAT oder die Sendeleistung lahmgelegt.
R1CBU ist das Arbeitspferd. Mehrere Funkamateure pflegen das Projekt seit Jahren, FT8 und FT4 laufen zuverlässig, die Bedienung über zwei Drehgeber ist eingängig, und der Webserver reicht für den Log-Export. SSTV, WSPR, Cluster im Wasserfall oder SOTA/POTA-Werkzeuge findest du hier nicht.
IU1WXY holt das Maximum aus der Hardware. Diese Kombination aus Cluster im Wasserfall, Field Ops, App, Updates über WLAN und so vielen Digitalmodi gibt es sonst nirgends. Der Preis ist Beta-Nervenkitzel: Der Code ändert sich täglich, und frische Fehler kommen vor. Die Release-Notes zu v0.126 und v0.127 nennen etwa ein Gerät, das von selbst auf Senden ging oder die Frequenz wechselte, Einstellungen, die nach vielen harten Abschaltungen nicht mehr gespeichert wurden, und verlorene Bluetooth-Kopplungen. Alles wurde schnell behoben, zeigt aber das Tempo. Dazu kommt die Abhängigkeit von einer einzelnen Person.
7.3 Welche Firmware für wen
Der Shack-Hocker funkt fast nur von zu Hause, der X6100 hängt am Netzteil und per USB am Rechner, WSJT-X läuft auf dem großen Monitor. Für ihn reicht die Originalfirmware, R1CBU geht auch. Nach Xiegu-Updates sollte er CAT prüfen.
Der POTA/SOTA-Pragmatiker will auf dem Gipfel schnell und verlässlich ein paar FT8- oder CW-QSOs ins Log bringen, ohne Abstürze und ohne Akku für Schnickschnack zu verschwenden. Für ihn ist R1CBU die verlässlichste Wahl.
Der Technik-Pionier will Cluster-Spots im Wasserfall, SSTV ohne Rechner, Aktivierungen mit Offline-Datenbank und Fernsteuerung vom Liegestuhl aus, und eine frische Beta schreckt ihn nicht. Für ihn ist IU1WXY gemacht.
Wer es lieber grafisch mag, hier dieselbe Entscheidung als Baum:

Praxistipp: Warum sich überhaupt entscheiden? Zwei microSD-Karten kosten weniger als ein Abendessen. Auf die eine kommt R1CBU als Rückfallebene für wichtige Touren, auf die andere IU1WXY zum Ausprobieren. Morgens steckst du die passende Karte in den Slot, und die andere wandert in den Geldbeutel.
Und ich? Tausche ich meine russische Karte nun gegen die italienische? Ehrlich gesagt, nicht sofort. R1CBU hat sich den Platz im Slot redlich verdient, und eine Firmware, die erst seit Oktober 2026 öffentlich ist und sich fast täglich häutet, nehme ich nicht gleich als einzige mit auf den Gipfel. Ich halte mich an meinen eigenen Praxistipp: IU1WXY bekommt die Karte im Geldbeutel. Sobald sie sich auf ein paar Touren bewährt hat und die Mücken mitgespielt haben, gibt es hier einen Praxisbericht.
8. Praxis: Installation, Updates, Backups und Rückweg
Lötkolben braucht es keinen. Wer eine Speicherkarte richtig herum einstecken und drei Knöpfe am Rechner drücken kann, schafft das; ich habe es schließlich auch geschafft. Wir erstellen zuerst die Karte, kümmern uns dann um Backups und Updates und klären zum Schluss, wie du zurückkommst.

8.1 microSD-Karte erstellen
Für IU1WXY empfiehlt der Autor eine Karte mit 8 bis 32 GB. Der Download ist etwa 100 MB groß, das entpackte Image rund 550 MB; der Rest der Karte wird zur DATA-Partition für Logs, Aufnahmen und Bilder. Das R1CBU-Wiki nennt als Minimum 1 GB und rät zu einer schnellen Karte, weil das Gerät mit langsamen Karten hängen kann. Die Werbe-Speicherkarte von der Messe 2009 bleibt also besser in der Schublade.
Geschrieben wird das Image mit balenaEtcher, Rufus, Raspberry Pi Imager oder dd:
- Image herunterladen (IU1WXY:
X6100-IU1WXY-v<version>-sdcard.img.zipaus dem Konto auf x6100-link.it; R1CBU:sdcard.img.zipaus den GitHub-Releases). - In balenaEtcher „Flash from file“ wählen. Die ZIP-Datei muss nicht entpackt werden.
- Als Ziel die microSD-Karte wählen. Name und Größe genau prüfen, alles auf dem Ziellaufwerk wird gelöscht. Ja, auch die Urlaubsfotos auf der externen Platte, falls du dich verklickst.
- „Flash!“ drücken und Schreiben und Prüfen abwarten, einige Minuten.
Wichtig für Windows-Nutzer: Danach bietet Windows gern an, die Karte zu formatieren. Auf „Abbrechen“ klicken. Windows kann die Linux-Partitionen nicht lesen, sie sind aber in Ordnung.
Erster Start: Karte bei ausgeschaltetem Gerät einstecken und einschalten. Beim ersten Mal dauert es etwas länger, weil die DATA-Partition angelegt wird.
Ersteinstellungen bei IU1WXY (Menüpfade laut Installationsanleitung zu v0.127; mit v0.128 wurden die Einstellungen in neue Reiter umsortiert und „Wireless“ heißt jetzt „Network“):
- Rufzeichen und Locator unter APP → Settings → General → STATION. Ohne diese Angaben arbeiten FT8, JS8, WSPR, Cluster und Field Ops nicht.
- WLAN unter Settings → Wireless. Mit WLAN stellt das Gerät auch seine Uhr.
- Zeitzone unter Settings → General.
8.2 Backup und Updates
Ein neues Image löscht die ganze Karte samt DATA-Partition. Vor jedem Neuschreiben deshalb sichern: Im Browser http://<IP-Adresse>/ öffnen, die Seite „Backup“ aufrufen und die Datei herunterladen. Nach dem Neuschreiben lädst du sie auf derselben Seite wieder hoch und wählst aus, was wiederhergestellt werden soll. Alternativ kopierst du das Verzeichnis /mnt auf den PC.
Ab v0.127 kann IU1WXY Updates ohne SD-Karte einspielen. Das geht nur bei Versionen, die nur Oberfläche und Apps ändern, nicht das System darunter. Auf der Versionsseite steht bei jeder Version „app update, no flashing“ oder „full image needed“. v0.127 und v0.128 brauchten selbst ein neues Image.
Ablauf direkt am Gerät:
- Gerät ist eingeschaltet und mit dem Internet verbunden.
- Settings → Update öffnen und in der Zeile „App update“ auf „Check“ gehen.
- Ist eine neue Version da, wird der Knopf zu „Install“. Das Paket ist rund 8 MB groß.
- Der Bildschirm startet einmal neu (10 bis 20 Sekunden), danach prüft das Gerät die neue Version etwa zwei Minuten lang.
- Am Ende erscheint „Update installed: version X“. Einstellungen, Logs, Speicher und Bilder bleiben erhalten.
Dasselbe geht über die App (SET → Update), über die Update-Seite des Webservers oder indem du das Paket in den Ordner update auf der DATA-Partition legst. Schlägt ein Update fehl, kehrt das Gerät selbstständig zur vorherigen Version zurück. Ab v0.128 erscheint ein Hinweis „Install now / Later“, sobald ein Update bereitsteht. Das Neuschreiben der Karte bleibt immer möglich und behebt laut Autor jedes Problem mit dem drahtlosen Update.
8.3 Zurück zum Werkszustand
Hier kommt die Regel aus 2.2 zum Einsatz: Karte raus, Werksfirmware da. Gerät ausschalten, Karte ziehen, einschalten, fertig. Steckst du die Karte wieder ein, ist die alternative Firmware zurück. Nur wer den Baseband-Patch eingespielt hat und auch den rückgängig machen will, hat einen zusätzlichen Schritt vor sich; der steht in 6.4.
9. Fehlersuche, Peripherie und Fehlermeldungen
Die Praxis ist der Ort, an dem die Theorie mit dem Kopf voran gegen die Wand läuft. Die Mücken kreisen, der Wind peitscht das Koax gegen das Stativ, und ausgerechnet jetzt zickt FT8. Wir gehen die häufigsten Probleme durch, schauen auf Zubehör und klären, wie du Fehler meldest. Die Hinweise beziehen sich auf IU1WXY, sofern nicht anders angegeben.

9.1 Häufige Probleme
FT8 oder JS8 dekodiert nichts, obwohl der Wasserfall voller Signale ist? Fast immer liegt es an der Uhrzeit. Weicht die Uhr um mehr als ein bis zwei Sekunden von UTC ab, scheitert die Dekodierung. Abhilfe: Das Gerät kurz per WLAN verbinden, etwa über den Handy-Hotspot, dann stellt es die Uhr selbst. Ein USB-GPS setzt die Uhr ebenfalls und liefert nebenbei die Position für Field Ops und den QTH-Locator.
Eine Sprachnachricht lässt sich nicht über das eingebaute Mikrofon aufnehmen? Das ist eine Grenze des Basebands. Das interne Mikrofon bekommt seine Phantomspeisung nur beim Senden und liefert im Empfang kein Signal. Aufnahmen für Sprach-CQ machst du deshalb mit dem Handmikrofon. Aus demselben Grund funktioniert auch VOX nur mit dem Handmikrofon.
Die Sendeleistung fällt in Digital-Apps auf 7 W? Das ist Absicht der Firmware (siehe 5.2). Nach dem Schließen der App gilt wieder der eingestellte Wert.
Und bei CESSB: Bei richtig kalibriertem Sendepegel sollte die ALC laut Entwickler des Baseband-Patches meist zwischen 0,1 und 0,3 liegen und selten über 1,0 gehen.
9.2 Peripherie
Bluetooth-Kopfhörer: WLAN und Bluetooth teilen sich im X6100 Chip und Antenne. Wer gleichzeitig die App über WLAN und Bluetooth-Kopfhörer nutzt, muss mit Aussetzern rechnen. Seit v0.127 überträgt die Firmware das RX-Audio deshalb in Mono mit größerem Puffer und betreibt das WLAN mit 20 MHz Bandbreite. IU1WXY empfiehlt für die App trotzdem lieber ein Kabel: einen USB-Ethernet-Adapter oder USB-Tethering des Handys.
Tastaturen: In CW kannst du über eine USB- oder Bluetooth-Tastatur senden. Für einen CW-Analphabeten wie mich die verlockendste Funktion des ganzen Artikels.
9.3 Fehler melden
IU1WXY lebt von Rückmeldungen. Über Settings → Info → Diagnostics → Send schickt das Gerät einen Diagnosebericht an den Autor. Der Inhalt wird vor dem Senden angezeigt. Ganz anonym ist das nicht: Seit v0.121 enthält der Bericht eine Kennung des Geräts, damit Berichte zugeordnet werden können. Zusätzlich gibt es auf x6100-link.it ein Formular „Report a bug“.
Ein paar Details, die in verschiedenen Beschreibungen kursieren, habe ich weder in den Release-Notes noch auf der Projektseite bestätigt gefunden. Die prüfe ich lieber selbst am Gerät nach, statt sie hier als Tatsache zu verkaufen. Das Ergebnis gibt es mit dem Praxisbericht.
Bis dahin: Karte rein, ausprobieren, und wenn es klemmt: Karte raus, Werksfirmware da.
73 de DL6LG