Robotron A5120 — Ein Ostalgie-Moment
Im Mai 2020 war ich im Zuse-Computer-Museum in Hoyerswerda (ZCOM) — ein Ort, an dem die Computer-Geschichte so museal duftet wie Omas Schrank nach Mottenkugeln. Dort stand er wieder vor mir: der Robotron A5120. Ein Kasten in warmem DDR-Braun mit eingebautem Monitor, Tastatur, und genau den drei schief blinkenden Laufwerken, die bei mir zu Hause damals so viel Krach gemacht haben wie ein kleiner Bahnhof.

Ich hatte dieses Modell Anfang 1990 von der Staatsbank der DDR gekauft — mein erster eigener Computer. Rückblickend war es kein Spielzeug, sondern mein Sprungbrett: von einfachen BASIC-Skripten zu Turbo Pascal — für mich damals ein Quantensprung in Sachen Programmieren und Stolz.
Was ist der A5120 eigentlich? (kurz und technisch)
Der Robotron A5120 wurde ab 1982 vom VEB Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt gebaut und war als Bürocomputer für Text- und Datenverarbeitung konzipiert. Er basierte technisch auf dem K1520-Bus und setzte den U880-Prozessor (ein Z80-Kompatibler) ein — für DDR-Verhältnisse eine durchdachte, robuste und modular aufgebaute Maschine. Spätere Varianten (A5120.16) brachten gar ein 16-Bit-Subsystem mit.
Ein paar Eckdaten, die sich im Nachhinein wie Relikte einer anderen Zeit lesen:
- 8-Bit-Prozessor U880 (Z80-Kompatible) mit etwa 2,25 MHz Takt (zwei davon: einer für CPU, einer für DMA) – ja, zwei!
- K1520-Bus-Standard für Steckplatinen und Erweiterungen.
- Diskettenlaufwerke: Varianten mit 8-Zoll oder 5¼-Zoll, z. B. 3 Laufwerke für bis zu etwa 800 kB pro Diskette in späteren Versionen.
- Ein stolzer Preis: Je nach Ausführung rund 25.000 – 40.000 Mark der DDR anfangs, später deutlich günstiger.
- Verbreitung: ca. 22.200 Stück gebaut.
Mein Exemplar war die Ausführung mit drei 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerken (ja, Stapelwechsel per Hand), dazu ein Typenraddrucker, der DIN-A3-Papier wie ein Manuskript-Monarch bedruckte, und ein Magnetkarten-Lese/Schreibgerät — Büroalltag deluxe. (Das bleibt meine persönliche Erinnerung — was man selbst schleppte, weiß man am besten.)
Betriebssystem & Software: SCP/CP/M, REDABAS, TP und Turbo Pascal
Auf dem A5120 lief typischerweise SCP, ein CP/M-ähnliches System (wer CP/M geschätzt hat, wusste: kein Multitasking-Spaß, aber solide). Das war die Schicht, auf der die Bürosoftware dann lief.

REDABAS war das relationale Datenbanksystem aus dem Robotron-Kosmos — sozusagen das „dBASE der DDR“. REDABAS ermöglichte Tabellen, Abfragen und eigene Masken/Programme; für jemanden, der Daten in geordnete Bahnen bringen wollte, fühlte sich das fast wie Zauberei an.
TP (Textprozessor) war die Standard-Textverarbeitung in vielen DDR-Büros — mächtig genug für Briefe, Serienbriefe, Umbrüche und sogar eine rudimentäre Rechtschreibprüfung. Für meine ersten „Dokumente“, die aus dem Nadeldrucker kamen, war TP das Werkzeug der Wahl.
Und dann Turbo Pascal — mein persönlicher Gamechanger. Borlands Turbo Pascal gab es auch für CP/M und war für viele von uns die Tür zu strukturierter Programmierung: Compiler + Editor in einem, ungewohnt flott (im Kopf sowieso) und günstiger als so manches Lehrbuch. Mit Turbo Pascal fühlte sich Programmieren plötzlich wie ordentliche Handwerkskunst an, nicht mehr wie wildes Zeilenhantieren.
Warum das Ganze heute noch rührt
Der A5120 steht für eine Zeit, in der Computer kein Massenprodukt waren, sondern Werkzeuge für Betriebe, Schulen und ambitionierte Heimanwender. Er war robust, technisch clever für seine Epoche und — ob man es möchte oder nicht — ein Stück DDR-Alltagstechnologie. Wer damals von BASIC auf Turbo Pascal umstieg, fühlte sich wie ein Entdecker: plötzlich strukturierte Programme, echte Compiler, weniger „Trial-and-Error“ und mehr „aha, so geht’s“.
Heute lache ich über meine jugendliche Selbstwichtigkeit — ich war überzeugt, ein Profi zu sein, nur weil ich eine Prozedur in Pascal in Unterprogramme zerlegt hatte. Aber: diese Naivität war auch der Motor, der mich weiterlernen ließ.
Schlusswort
Im Zuse-Museum stand ich also vor meinem alten Freund, betrachtete seine braune Schale und dachte: Danke, du rumpelnder Kollege. Du hast mir den Einstieg in die Programmierung geschenkt, mir das Gefühl gegeben, Dinge zu ordnen (REDABAS), Texte zu gestalten (TP) und strukturiert zu denken (Turbo Pascal). Ein bisschen Ostalgie, ein bisschen Stolz — und die Gewissheit, dass aus kleinen Experimenten irgendwann echte Fähigkeiten werden.