MC-20 Magnetic Loop Antenne
Glück auf, liebe OMs und YLs
Ich habe es wieder getan. Mein Kontostand sagte „Nein“, mein Verstand sagte „Du hast schon drei Antennen“, aber mein Finger hat bei Paul (OM0ET) einfach auf „Kaufen“ geklickt. Jetzt nenne ich eine MC-20 Magnetic Loop mein Eigen. Wer eine kompakte Lösung für den Urlaub, den Garten oder die nächste SOTA-Aktion sucht (und dabei nicht wie ein Ghostbuster mit 20 kg Ausrüstung aussehen will), sollte jetzt weiterlesen.

1. Auspacken und Aufbau: Endlich mal kein Kraftsport
Das Erste, was auffällt: Das Ding wiegt fast nichts. Mit gerade einmal 1 kg ist die Antenne leichter als meine Brotzeitdose. Sie lässt sich so klein zerlegen, dass sie locker in eine 17-Zoll-Laptoptasche passt. Mein Laptop muss seitdem draußen schlafen, aber man muss Prioritäten setzen.
Der Aufbau ist selbst für zertifizierte Grobmotoriker wie mich in etwa zwei Minuten erledigt. Der Ausleger besteht aus einem dreiteiligen PVC-Rohr – fast wie Lego für Erwachsene, nur ohne das schmerzhafte Drauftreten. Ein Profi-Tipp von mir (schmerzvoll gelernt): Spart nicht am Stativ. Die Antenne hat zwar einen Standard-Kameraanschluss, aber ein billiges 15-Euro-Stativ verwandelt die Loop beim kleinsten Windhauch in einen Wackeldackel. Und nichts ist deprimierender als ein SWR, das im Takt der Windböen tanzt.
2. Die Technik: Handarbeit für Milliohm-Fetischisten
Man merkt sofort, dass Paul (OM0ET) kein Fließband-Roboter ist. Die Hauptschleife besteht aus echtem Belden H1000 Koaxialkabel. Die Stecker haben vergoldete Mittelpins – wir Funker lieben Gold ja fast so sehr wie wir Kupfer lieben, weil wir beim Wirkungsgrad um jedes Milliohm feilschen wie auf einem Basar.
Das Herzstück ist die Tuning-Box. Hier arbeitet ein Luftdrehkondensator im Split-Stator-Verfahren. Der riesige Vorteil: Ich kann mich der Antenne nähern, ohne dass das SWR vor Schreck davonläuft (der sogenannte „Hand-Effekt“). Dank der Untersetzung lässt sich die Resonanz so präzise finden, als würde man ein Tresorschloss knacken.
3. Abstimmen: Sportliche Betätigung für den Zeigefinger
Die MC-20 deckt alles von 6,3 MHz bis 30,3 MHz ab. Also von 40m bis 10m (und ja, liebe Nachbarn, auch CB-Funk geht). Das Abstimmen ist eine kleine Zeremonie:
- Frequenz am Funkgerät wählen.
- Am Knopf kurbeln, bis das Rauschen im Empfänger brüllt (der „Aha!“-Moment).
- Mit minimaler Leistung (5-10W) vorsichtig feinjustieren, bis das SWR bei 1:1,1 steht und man sich wie der König der Wellen fühlt.
Die Kehrseite der Medaille: Die Bandbreite ist mit ca. 10 kHz so schmal wie mein Geduldsfaden am Montagmorgen. Wer im Band hin- und herspringen will, muss jedes Mal nachkurbeln. Aber hey, betrachten wir es als „natürlichen Bandpassfilter“. Störungen von der Starkstrom-Nachbarstation werden einfach weggeatmet.
4. Performance: Wunder und Wirklichkeit
Seien wir ehrlich: Auf 40m hat die Loop einen Wirkungsgrad von etwa 8,4 %. Das heißt, der Großteil meiner Sendeleistung wird dazu genutzt, die lokalen Regenwürmer zu wärmen. Aber ab 20m (fast 50 %) und auf 10m (satte 92 %) geht die Post ab!
Ich habe es tatsächlich geschafft, aus dem Arbeitszimmer (!) im zweiten Stock und aus dem Garten Verbindungen nach Norwegen, Spanien, Russland aufzubauen mit FT8 sogar Amerika, Indonesien. Wichtiger Sicherheitshinweis: Da am Kondensator Spannungen entstehen, die selbst meine Kaffeemaschine blass aussehen lassen, solltet ihr beim Senden (max. 20W) ein paar Meter Abstand halten. Das mitgelieferte 4,5 m Kabel ist also kein Luxus.
Mein Fazit
Die MC-20 ist ein fantastisch verarbeitetes Stück Technik für alle, die keinen Platz für 40 Meter Draht im Garten haben oder nicht wollen, dass die Nachbarn die CIA rufen. Sie braucht kein Gegengewicht, ist extrem portabel und bietet einen herrlich ruhigen Empfang.
Wer bereit ist, beim Kurbeln ein bisschen Fingerspitzengefühl (und Demut vor der Physik) zu zeigen, wird mit dieser Antenne sehr viel Spaß haben. Ich für meinen Teil gehe jetzt wieder kurbeln – mein SWR ist gerade auf 1:1,2 gesprungen, das kann ich so nicht stehen lassen… 😉